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Gespräche mit russischem Holocaust-Forschungs- und Bildungszentrum

Mit einem Koffer voller Ideen und Vorschläge für Kooperationen kam Professor Ilya Altman, Leiter des Russischen Holocaust-Forschungs- und Bildungszentrums in Moskau, Ende März für einen Tag zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Natalja Anisina verschaffte er sich bei einer Führung einen Überblick von den Dokumenten zum Holocaust im Archiv des ITS und führte anschließend Gespräche. „Ich bin beeindruckt von den Möglichkeiten der Recherche und der technischen Ausstattung“, sagte Altman.

Auf Initiative des Moskauer Zentrums und dem Haus der Wannsee-Konferenz reist jedes Jahr eine Gruppe von Lehrern und Museumsleitern aus Russland, der Ukraine und Weißrussland für eine Woche nach Berlin, um sich hier über die Geschichte des Nationalsozialismus und der Verfolgung der Juden zu informieren. Altman schlug vor, den ITS in dieses Programm mit einzubinden oder einen weiteren Austausch zu organisieren. „Beim ITS lassen sich vor allem Erfahrungen mit der Recherche in einem Archiv und dem Gebrauch von Dokumenten für die pädagogische Arbeit sammeln“, so Altman. „Zudem könnte der ITS in Moskau durch Vorträge und Seminare die Arbeit des Zentrums unterstützen und zugleich auf sich aufmerksam machen.“ Von den 83 russischen Republiken und Regionen arbeiten bereits 57 mit dem Moskauer Zentrum in pädagogischen Fragen zusammen.

Zudem schwebt Altman ein Austausch von Historikern und Archivaren vor. Das russische Forschungs- und Bildungszentrums „Holocaust“ hat gerade erst 1000 Exemplare der zweiten Auflage der Enzyklopädie über den Holocaust auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion herausgegeben. In diesem Buch werden erstmals Informationen über die wichtigsten Akteure des Holocaust sowie Einzelheiten über alle Siedlungen innerhalb des besetzen Gebiets der UdSSR kombiniert. „Die Enzyklopädie ist durch eine breite internationale Zusammenarbeit zustande gekommen“, berichtete Altman.

Ebenfalls Potenzial für Kooperationen sieht Altman durch seine Lehrtätigkeit an der Universität in Moskau. „Hier rückt der Zweite Weltkrieg stärker ins Interesse“, sagte Altman. „Ich werde mit den Studenten diskutieren, wie wir das Material beim ITS nutzen können. Es geht darum, den Umgang mit Archivmaterial und das Lernen aus der Geschichte miteinander zu verbinden.“

Altmans Vorschläge werden in den kommenden Wochen weiter diskutiert und beraten werden. „Eine Zusammenarbeit mit dem Holocaust Center in Moskau in Sachen Publikationen und ein intensiver Austausch mit Lehrern aus der russischen Föderation wäre für beide Seiten wichtig“, sagte Dr Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung beim ITS. „Zum einen könnte die im Westen wenig bekannte Geschichte des Holocaust auf russischem Boden durch den ITS mehr Gehör finden. Zum anderen könnte der ITS zur Erinnerung an die Opfer Nazi-Deutschlands beitragen, die damals sowjetische Bürger waren. So würden beide Seiten von Erfahrung und Erinnerung des anderen profitieren.“