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Gewissheit über das Schicksal des Vaters

Nach Jahrzehnten hat Otto Romberg, Holocaust-Überlebender und Herausgeber der Zeitschrift „TRIBÜNE“, erstmals erfahren, an welchem Ort sein Vater von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Laut Dokumenten im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen wurde sein 1897 in Ungarn geborener Vater Otto Roboz Anfang Dezember 1944 von Budapest aus ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. „Es ist eine Erleichterung für mich - wenn auch erst nach 65 Jahren – nun Gewissheit über das Schicksal meines Vaters zu haben“, sagte Romberg.

Über die Zeit, in der Otto Romberg und seine Mutter von Ungarn aus ins Nachkriegs-Österreich flüchteten, liegen im Archiv des ITS mehrere Dokumente vor. Darunter sind etwa die Registrierung als Flüchtling und ein Schreiben der Mutter zu ihrem Lebensweg. Romberg verschlug es später als Korrespondent nach Deutschland, ins Land der Täter. 1960 motivierten ihn Hakenkreuzschmierereien zur Gründung der Zeitschrift „TRIBÜNE“, die sich seitdem dem Verständnis des Judentums widmet. Die grausamen Erlebnisse seiner Kindheit sind die Wurzeln seines Einsatzes gegen den Antisemitismus, für Toleranz und Freiheit.

Beim ITS sah der Frankfurter gemeinsam mit seiner Frau die Unterlagen zum Schicksal seiner Familie ein und besichtigte das Archiv. „Ich bin froh, dass es den Suchdienst gibt“, sagte Romberg. „Er hätte nur viel früher für die Forschung geöffnet werden müssen. Persönliche Schicksale erreichen die Menschen noch am ehesten.“ Am Tag nach dem Besuch des ITS begab sich Romberg nach Bergen-Belsen. In der Gedenkstätte hat der 76-Jährige jetzt einen Ort für seine Trauer um den Vater.