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„Ich fühlte mich immer ein wenig verloren.“

Julius Edmundson hätte mit Anfang 60 allmählich an ein friedliches Leben nach dem Berufsalltag denken können. Doch mit der Aussicht auf mehr Zeit und Ruhe kam auch der langgehegte Wunsch wieder in ihm auf, mehr über seine Herkunft zu erfahren. Gemeinsam mit seiner Tochter ging Edmundson auf Spurensuche in Europa. „Ich fühlte mich immer ein wenig verloren, da ich ohne Vater aufwuchs“, sagte der Australier.

Julius wurde am 1. Mai 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in Deutschland geboren. Er war das Kind von Zwangsarbeitern. Seine Mutter war gebürtige Ukrainerin und von den Nationalsozialisten nach Deutschland verschleppt worden. Sein Vater war Pole. Eine Woche vor der Geburt ihres Kindes verschwand er. „Mein Mutter glaubte, er wäre ums Leben gekommen und wanderte daher zu Verwandten nach Australien aus“, berichtete Edmundson. „Das Schiff - die Dundalk Bay, mit der wir nach Australien fuhren, war die erste lebendige Erinnerung an meine Kindheit.“

Drei Jahre intensiver Recherche investierten Edmundson und seine Tochter, um mehr Einzelheiten herauszufinden. Beim Internationalen Suchdienst erhielten sie Dokumente über die Zwangsarbeit der Mutter und die Registrierung von Mutter und Sohn als Displaced Persons. Zugleich vermittelte der ITS den Kontakt zur Familie des Landwirts, bei der die Mutter als Zwangsarbeiterin tätig war. Das Rote Kreuz lieferte Informationen zur Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit des Vaters.

Und dann kam die Nachricht, die die Familie am stärksten erschütterte. Edmundsons Vater hatte den Krieg überlebt und war nach Polen zurückgegangen. „Erst fühlte ich nichts, dann Ärger und schließlich wollte ich einfach nur alles über sein Leben wissen“, so der Australier. Warum sein Vater die Mutter während der Schwangerschaft verließ, wird niemals geklärt werden können. Er ist inzwischen verstorben und hatte seiner Familie von der Zeit in Deutschland nur wenig berichtet.

Doch zumindest konnte Edmundson im Sommer 2009 seine Halbgeschwister in Polen besuchen. Er erfuhr, wer sein Vater war, was er gemacht und wie er gelebt hatte. Zugleich besichtigte der Australier seinen Geburtsort in Deutschland und besuchte die Familie seiner Mutter in der Ukraine. „Nach dem Trip durch Europa waren wir sehr erschöpft, aber auch dankbar für all die wunderbaren Erfahrungen“, schrieb Tochter Lara Edmundson.