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„Ich werde es wohl nie erfahren“

Der Israeli Naftali Sappir kam zusammen mit seinem Sohn Michael Mitte Dezember zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen. Er ist auf der Suche nach den letzten Spuren seiner Großeltern und denen ihres jüngsten Sohnes Bernhard. „Wahrscheinlich gehört es zu jenen Fällen, die nicht geklärt werden können“, vermutet Sappir.

Die aus Emden stammende jüdische Familie van der Walde zog im März 1940 nach Frankfurt/Main. Von hier aus wurde sie 1942 deportiert. Ihre letzte Adresse war die Uhlandstraße. Doch bislang gelang es Sappir nicht, auch nur ein einziges Dokument zu finden, das ihr weiteres Schicksal beschreibt. Auch im Archiv des ITS kommt er nicht weiter. „Ich habe nichts“, bedauert Sappir. „Auch in Yad Vashem war ich schon. Ich möchte wissen, wann und wohin sie deportiert wurden. Aber ich werde es wohl nie erfahren.“

Die Juden aus Frankfurt wurden überwiegend nach Theresienstadt deportiert. Die Transporte sind jedoch schlecht belegt, da die Unterlagen der Gestapo kriegsbedingt größtenteils vernichtet wurden. Von den über 10.600 aus und über Frankfurt deportierten Juden erlebten das Ende des NS-Regimes weniger als 600. Für viele war Theresienstadt eine Zwischenstation auf dem Weg nach Auschwitz.

Naftalis Mutter Kela Ruth überlebte den Holocaust. Sie war nicht mit nach Frankfurt gegangen, sondern in die Niederlande geflohen. Nach der Besetzung des Landes durch die Deutschen wurde sie im Oktober 1942 verhaftet und von Westerbork aus ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Am 29. Juni 1944 konnte sie Bergen-Belsen mit einem Austauschtransport zusammen mit 221 weiteren Juden in Richtung Palästina verlassen. Die jüdischen Häftlinge sollten gegen im Ausland internierte Deutsche ausgetauscht werden. In Israel baute sie sich eine neue Existenz auf. „Bernhard war ihr jüngster Bruder. Er war 1942 neun Jahre alt“, erzählt Sappir.