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Informieren und Gedenken

Evgenii Aleshin, Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der Russischen Föderation hat den ITS besucht.

Bis heute sind Angehörige der Opfer von NS-Terror und Krieg aus der ehemaligen Sowjetunion auf der Suche nach Grabstätten und Informationen zum Schicksal ihrer Verwandten. Um die Fragen von Angehörigen und Kriegsveteranen umfassend zu beantworten, arbeitet das Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der Russischen Föderation mit dem International Tracing Service (ITS) zusammen. In vielen Fällen kann der ITS Auskunft geben. Bei seinem Besuch sprach der neue Leiter des Büros, Evgenii Aleshin, mit ITS-Direktorin Floriane Hohenberg über seine Aufgaben und informierte sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Arbeit des ITS und die Archivbestände.

Schicksale von Kriegsgefangenen klären

Die meisten Anfragen, die der ITS über das Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit erhält, beziehen sich auf sowjetische Kriegsgefangene, die in deutscher Gefangenschaft gerieten und die Zwangsarbeit sowie die unmenschlichen Bedingungen in den Lagern nicht überlebten. Um möglichst vollständig Auskunft geben zu können, recherchieren die ITS-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei diesen Anfragen nicht nur im eigenen Archiv, das große Bestände zur NS-Zwangsarbeit verwahrt, sondern durchsuchen auch weitere Quellen, darunter die Datenbank sowjetischer Kriegsgefangener der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten. Erfreut äußerte sich Aleshin darüber, dass seine Anfragen innerhalb kurzer Zeit bearbeitet werden – in den meisten Fällen direkt auf Russisch.

Um Grabstätten von NS-Opfern zu verorten und einen systematischen Überblick zu gewinnen, betrieb der ITS bereits seit den späten 1940er Jahren ein Programm zur Suche nach Gräbern von Ausländern und zur Identifizierung der Opfer. Bis in die 1950er Jahre wurden durch die Befragung von Bürgermeistern und Gemeindeverwaltungen umfangreiche Ermittlungen angestellt und zudem Hunderte Grablagen kartographiert. Dieses historisch einzigartige Kartenmaterial soll im Zuge der Online-Stellung ausgewählter Bestände im Online-Archiv des ITS veröffentlicht werden.

Späte Anerkennung

Der ITS erhält derzeit auch vereinzelt Anfragen ehemaliger sowjetischer Soldaten, die einen Nachweis für ihre Zeit in deutscher Kriegsgefangenschaft suchen. Denn 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat der Deutsche Bundestag im Mai 2015 beschlossen, ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen eine symbolische Anerkennung von 2.500 Euro zu zahlen. Bis zum 30. September 2017 ist es möglich, einen Antrag zu stellen. Nach Schätzungen leben heute nur noch 4.000 der ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen.

Fast sechs Millionen sowjetische Soldaten gerieten zwischen Juni 1941 und Mai 1945 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Jeder zweite der Rotarmisten kam in den Lagern, bei Fußmärschen oder bei der Zwangsarbeit ums Leben. Die Gefangenen starben an systematischer Unterversorgung – an Hunger, mangelndem Schutz vor Hitze und Kälte und fehlender medizinischer Behandlung. Angehörige der sowjetischen Armee hatten deutlich schlechtere Überlebenschancen als westliche Armeeangehörige. Sie fielen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer. Im Vergleich: Soldaten der Westalliierten überlebten die deutsche Kriegsgefangenschaft zu etwa 97 Prozent.

Überlebende, die über keine Nachweise der Gefangenschaft verfügen, können auch beim International Tracing Service (ITS) nach Dokumenten zur Bestätigung ihrer Ansprüche suchen lassen.

Hier gelangen Sie zum Antrag für die symbolische Anerkennung auf der Website des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV)