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Interview mit Überlebender des KZ Lichtenburg ermöglicht

„Möglichst viele Lücken schließen“ - unter diesem Motto haben drei freie Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg eine Woche lang beim Internationalen Suchdienst (ITS) Unterlagen eingesehen. „Wir wollen die Lebensbilder der Lichtenburger Häftlinge vervollständigen. Dafür ist der Besuch beim ITS hilfreich“, sagte Sven Langhammer.

Von 1933 bis 1939 diente die Lichtenburg als Konzentrationslager, ab 1937 als reines Frauenlager. Für Ausstellungen und Publikationen sammeln die Mitarbeiter der Gedenkstätte seit längerer Zeit Informationen zur Geschichte der Burg. Seit Januar 2008 gehört die Lichtenburg zur Stiftung Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

Historiker Langhammer ist in der Gedenkstätte der Hauptverantwortliche für die Recherchen über die Schicksalswege der Häftlinge. „Seit Jahren tragen wir die Namen der Männer und Frauen zusammen, die im KZ Lichtenburg inhaftiert waren. Von den politischen Häftlingen und den Zeugen Jehovas liegen uns viele Informationen vor. Bei den Nazi-Kategorien ‚Asoziale’ und ‚Berufsverbrecher’ sind die Lücken größer“, berichtete der Historiker. „Aus den Unterlagen beim ITS können wir Hinweise ergänzen.“

Langhammer, der zum dritten Mal beim ITS forschte, kennt sich inzwischen mit den Unterlagen und den Rechercheprogrammen aus. Seine Kolleginnen Katja Seybold, ebenfalls Historikerin, und Jana Harnisch, Geschichtsstudentin, halfen beim Ermitteln in der ITS-Datenbank. „Hier sammeln wir nur, zurück an unseren Arbeitsplätzen in Halle (Saale) beziehungsweise Hannover werten wir dann die neuen Details aus.“

In Hauptstaatsarchiven und Gedenkstätten hatten die Kollegen bereits geforscht. „Beim ITS können wir vor allem den Korrespondenzakten neue und spannende Informationen entnehmen,“ berichtete Seybold. „Ich habe zum Beispiel zu einem weiblichen Häftling die Geburtsdaten finden können sowie ihren Namen nach der Heirat. Dass sie nur in der Lichtenburg inhaftiert war und nach England ausgewandert ist, war uns ebenfalls neu.“

Langhammer war es nach seinem letzten Besuch des ITS gar gelungen, persönlich Kontakt mit einer ehemaligen Insassin des KZ aufzunehmen. „Ich hatte einen Antrag auf Entschädigung aus dem Jahr 2002 gefunden. Vier Wochen später konnte ich die Frau über ihren KZ-Aufenthalt interviewen,“ erzählte der Historiker begeistert. „Wir müssen noch zahlreiche Namen prüfen und werden bald wieder zum ITS kommen.“