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ITS-Ausstellung zu Todesmärschen im Max Mannheimer Studienzentrum

Bis zum 27. Oktober 2013 wird die Wanderausstellung „Die Todesmärsche in den Dokumenten des International Tracing Service“ im Max Mannheimer Studienzentrum in Dachau zu sehen sein. Nina Ritz, Leiterin des Zentrums, und Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung und Bildung beim ITS, führten anlässlich der Eröffnung am 4. Juli 2013 in die Ausstellung ein. Besonderer Gast war der Zeitzeuge Eric Imre Hitter. „Es ist ein Wunder, dass ich heute noch hier bin“, sagte der 86-Jährige , der zwei Todesmärsche aus einem Außenlager von Groß-Rosen und dann aus Flossenbürg überlebt hatte.

Die Todesmärsche waren das letzte organisierte Massenverbrechen des nationalsozialistischen Deutschland. Tausende Häftlinge kamen an den letzten Tagen des Krieges noch zu Tode. Beim ITS lief von 1946 bis 1951 ein Programm, mit dessen Hilfe die Opfer der Todesmärsche gefunden und identifiziert werden sollten. Die jetzt in Dachau eröffnete Ausstellung ermöglicht Einblick in die Dokumentenbestände des ITS zu diesem Thema und gibt die Erinnerungen von einzelnen Überlebenden wieder.

Zu ihnen zählt auch Hitter, der 1927 in Oradea Mare geboren wurde. Er verlor im Holocaust seine Eltern, eine Schwester und einen Bruder. Am 1. Juni 1944 wurde Hitter von Ungarn aus nach Auschwitz und dann in das Außenlager von Groß Rosen nach Wüstegiersdorf deportiert. Von hier aus führte der erste Todesmarsch im Januar 1945 ins KZ Flossenbürg, dessen „Evakuierung“ im April 1945 folgte. Die jüdischen Häftlinge hätten zunächst in Waggons steigen müssen, berichtet der 86-Jährige. Doch der Zug sei immer wieder bombardiert worden. „Wir waren eingeschlossen. Die meisten kamen ums Leben.“ Es ging zu Fuß weiter. „Ein schrecklicher Marsch“, erinnert sich Hitter. „Die Menschen starben wie die Fliegen.“ Kurz vor dem Heranrücken der US-Armee begann die SS, die verbliebenen Häftlinge zu erschießen. Hitter musste mithelfen beim Ausheben des Massengrabes. Die letzte Nacht vor der Befreiung am 23. April 1945 versteckte er sich in einem Schuppen und entkam so dem Morden.

„Sein Zeugnis ist mir tägliche Motivation für meine Arbeit“, sagte Urban bei der Einführung in das Thema. Große Teile der deutschen Bevölkerung seien Zeugen des öffentlichen Mordens und vielfach auch Mittäter geworden, berichtete die Historikerin. „Hilfe blieb die Ausnahme.“ Das Max Mannheimer Studienzentrum will die Ausstellung für ihre Arbeit mit Jugendlichen nutzen. „Begleitend entwickeln wir einen thematischen Workshop, der das Thema der Todesmärsche in Studientagsprogrammen für Jugendgruppen hier im Haus pädagogisch aufbereitet“, erläuterte Nina Ritz, Leiterin des Zentrums.

Auch Hitter ist in das Studienzentrum gekommen, um seine Geschichte Schüler- und Jugendgruppen zu vermitteln. Nach der Befreiung war der damals 18-Jährige zunächst im Camp für Displaced Persons im Kloster Indersdorf untergekommen, bevor er im Oktober 1945 nach Großbritannien ging. Hier lernte er seine spätere Frau Fay Hirschmann, ebenfalls eine Überlebende, kennen und heiratete sie 1952. Heute lebt Hitter im belgischen Antwerpen. „Ich bin glücklich mit meiner Familie, meinen drei Kindern und acht Enkeln.“

Über die Ausstellung

Auf sieben Bannern, die auf der Grundlage neu gesichteter Dokumente entwickelt wurden, führt die Ausstellung „Spurensuche - Die Todesmärsche in den Dokumenten des International Tracing Service (ITS)“ zunächst durch einen kurzen Text in die Thematik ein. Danach werden die Herkunft und Vielfalt der Dokumente beschrieben. Im Anschluss folgen zwei Biografien von Opfern der Todesmärsche, deren sterbliche Überreste identifiziert werden konnten. Als Überleitung zu der Biografie Hitters dienen Erinnerungssplitter Überlebender an die Todesmärsche, die Dokumenten des ITS entnommen wurden.

Neben den Bannern der Ausstellung hat der ITS Lesemappen zusammengestellt, die speziell das Schicksal von Dachauer Häftlingen auf Todesmärschen schildern. Die Dokumentenbeispiele werden ergänzt durch Erläuterungen zum ITS und der Quellenlage.

Wanderausstellung „Spurensuche - Die Todesmärsche in den Dokumenten des International Tracing Service (ITS)“
4. Juli bis 27. Oktober 2013 (außer 26. Juli und 11. August 2013)
täglich von 15 bis 17 Uhr (außer Montag und Donnerstag)
Max Mannheimer Studienzentrum
Rosswachstraße 15
85221 Dachau