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ITS-Mitarbeiter besichtigten Gedenkstätte Buchenwald

Vergangenen Donnerstag sind 33 Mitarbeiter des Internationalen Suchdienstes (ITS) an einen der Orte des Geschehens gefahren, deren Unterlagen sie täglich auswerten. In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald nahmen sie an einer Führung teil, besuchten die Ausstellung und informierten sich über neue Projekte der Einrichtung. „Es ist eine eigene Erfahrung, an den Tatort der Grausamkeiten zu kommen“, sagte Manfred Kesting, Leiter der Abteilung Auswertung und Dokumentation.

Der stellvertretende Stiftungsdirektor von Buchenwald, Rikola-Gunnar Lüttgenau, begrüßte die Arolser Gäste. Rosmarie Hofman und Helmut Rook führten die ITS-Gruppe über das Gelände. Anhand eines Models des Konzentrationslagers erläuterten sie die Geschichte des Ortes. Schwerpunkte waren dabei der Aufbau des Lagers, die Belegung, die Aufteilung der SS und die Befreiung. Insgesamt eine Viertelmillion Menschen aus allen europäischen Ländern waren von Juli 1937 bis April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 56.000 geschätzt.

Absolute Stille trat während des Rundgangs der ITS-Mitarbeiter beim Betreten des Krematoriums ein. „Es ist ein spezieller Ort des Gedenkens und Erinnerns“, so Kesting. „Die kalte Nüchternheit der Nazi-Mordmaschinerie, die sich selbst noch im Umgang mit den Toten zeigt, ist zwar nicht neu für ITS-Mitarbeiter, dennoch erschreckt der Anblick immer wieder aufs Neue.“ Dies galt auch für die im benachbarten Raum gelegene Genickschussanlage, die die Nazis damals als Arztzimmer getarnt hatten.

Die Ereignisse im Konzentrationslager Buchenwald sind beim ITS gut belegt, da das Lager damals von den Amerikanern befreit wurde und der SS wenig Zeit zur Vernichtung der Unterlagen blieb. Buchenwald war 1945 das größte unter den noch bestehenden Konzentrationslagern. „Uns sind die Dokumente des Lagers bestens vertraut. Wir werten sie seit vielen Jahren für die Opfer und deren Angehörige aus“, berichtete Kesting.

Von besonderem Interesse waren daher die Vorträge über die Projekte der Gedenkstätte zur Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Dazu gehört auch eine virtuelle Fotoausstellung, die seit kurzem auf der Website zu sehen ist. Sie zeigt die erste Bildgeschichte eines Konzentrationslagers. Neben über 300 historischen Fotografien sind in der virtuellen Ausstellung auch Filme, Kurzbiografien und Sachtexte abrufbar.

Zum Abschluss hatten die ITS-Mitarbeiter noch die Möglichkeit, die zweistöckige Ausstellung zu besichtigen. Sie ist mit 1600 qm auf zwei Etagen der ehemaligen Effektenkammer die größte auf dem Gedenkstättengelände und wurde 1995 eröffnet. „Die Zeit war knapp bemessen“, sagte Kesting. „Aber es hat sich gelohnt, die beeindruckende Arbeit der Gedenkstätte zu erleben.“