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Juden in Langenselbold

Einen Tag haben Mitglieder des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold e.V. den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besucht. „Wir möchten nach den Schicksalen der jüdischen Bewohner unseres Ortes forschen und ihre Daten sammeln. Zunächst wollen wir einen ersten Eindruck vom ITS gewinnen sowie die Recherchemöglichkeiten kennenlernen“, so Dr. Manfred Keil, Vorsitzender des Vereins.

Seit Sommer 2010 beschäftigen sich einige Bürger mit der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten im hessischen Langenselbold. Die ehrenamtliche Arbeit baut auf das Schülerprojekt "Das Schicksal der Juden im Main-Kinzig-Kreis" auf. „Aus der damaligen Recherche entstand das Buch ‚Spurensuche. Das Schicksal der Juden in Langenselbold‘. Dieses dient uns als Grundlage unserer Forschung“, berichtet Keil.

In 1933 bestand die jüdische Gemeinde aus 226 Personen. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im Sommer 1935 beschloss der Gemeinderat des Ortes scharfe antijüdische Maßnahmen. Mehrere Familien emigrierten danach in die USA und nach Südafrika, andere verzogen in größere Städte, insbesondere nach Frankfurt am Main. Am 5. September 1942 wurden zahlreiche Juden nach Hanau und von dort aus in die Vernichtungslager deportiert. „Uns sind bis jetzt etwa 40 Schicksale bekannt“, sagt der Langenselbolder.

Nach einer Führung durch die Archive des ITS hatten die Besucher Zeit, selbst im Rechercheprogramm des ITS zu arbeiten. „Wir konnten schon einige neue Namen finden“, freut sich Keil. „Etwa Sally Goldschmidt, geboren am 22. Juni 1902 in Langenselbold. Dieser Name taucht bisher in unseren Unterlagen nicht auf.“ Verfolgungswege, Namen der Konzentrationslager sowie die Häftlingsnummern können die engagierten Hobbyforscher nun bei zahlreichen Schicksalen ergänzen. „Wir haben die Verpflichtung als Geschichtsverein, die Verfolgung der Juden in unserem Ort, aufzuarbeiten“, erklärt Keil. „Wir würden gerne Stolpersteine verlegen oder Gedenktafeln anbringen.“