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„Juristische Zeitgeschichte vom Feinsten“

21 Doktoranden vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte aus Frankfurt/Main haben heute für einen Tag das Archiv vom Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besichtigt. Sie wollten sich mit der Entwicklung des ITS seit seiner Öffnung für die Forschung im vergangenen November bekannt machen. „Das Potenzial ist enorm“, sagte Institutsdirektor Professor Michael Stolleis, für den es sein erster Besuch in dem Archiv war.

Die Besuchergruppe sprach mit ITS-Direktor Reto Meister und Historikerin Irmtrud Wojak über die Forschungsmöglichkeiten beim Suchdienst. „Der ITS kann sich zu einem zeitgeschichtlichen Institut entwickeln“, sagte Stolleis. „Dabei kann sich das Archiv eng vernetzen mit anderen Einrichtungen, die sich ebenfalls der Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus verschrieben haben.“

Die Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts unternimmt zu Beginn eines jeden Semesters mit den Doktoranden einen Ausflug zu Einrichtungen, die für ihre Arbeit von Interesse sein könnten. Die Akademiker kommen neben Deutschland auch aus Russland, Frankreich, China, Italien und Brasilien. Bei einem Rundgang mit Archivleiter Udo Jost verschafften sie sich einen Überblick über die Bandbreite an Unterlagen, die beim ITS aufbewahrt werden. „Der Schatz an Dokumenten ist für viele Partner interessant“, war sich Stolleis sicher.

Zu den Hauptforschungsgebieten würde seiner Ansicht nach neben den Konzentrationslagern ebenfalls die Migrationsgeschichte Europas gehören. „Aber auch die Bewältigung der Vergangenheit, die sich in der Flüchtlingsgesetzgebung, der Wiedergutmachung oder dem Lastenausgleich zeigte, sind rechtsgeschichtlich noch nicht aufgearbeitet. Da bietet der ITS juristische Zeitgeschichte vom Feinsten.“

Als „hochinteressant“ wertete auch Professor Bernhard Diestelkamp den Arbeitsbesuch in Bad Arolsen. „Die Recherchemöglichkeiten beim ITS müssen wir noch deutlich bekannter machen unter den Wissenschaftlern“, so der Rechtshistoriker. „Jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, weiß um die Bedeutung der Sammlung und den Wert der vom Suchdienst im Laufe der Jahrzehnte geleisteten Arbeit.“

Von enormem Stellenwert sei daher auch die Pflege der Dokumente, so Diestelkamp. „An dieses Archiv werden immer wieder Fragen gestellt, und jede weitere Generation von Forschern wird wieder neue aufgreifen.“