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Kinder in der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus

Vergangene Woche forschte Professor Johannes-Dieter Steinert zum Thema „Kinderzwangsarbeit im Nationalsozialismus in Deutschland und den besetzten Gebieten Osteuropas in der Zeit von 1939 – 1945“ beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen. Der Professor für Moderne Europäische Geschichte und Migrationsstudien an der University of Wolverhampton sammelt seit zwei Jahren Informationen für seine geplante Buchveröffentlichung. Beim ITS sichtete er unter anderem Unterlagen aus den Lagern Lebrechtsdorf (Potulice) und Litzmannstadt (Łódź).

„Ziel meines Forschungsprojektes ist es, ein breites Spektrum von amtlichen Dokumenten und Zeugenaussagen ehemaliger junger Zwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland, aber vor allem auch in Osteuropa für meine Studie heranzuziehen“, berichtet Steinert. Die Zwangsarbeit von polnischen, jüdischen und anderen Kindern so genannter ‚minderer Rassen’ war während des Zweiten Weltkrieges ein Instrument nationalsozialistischer Politik.

Kinder und Jugendliche wurden verpflichtet, in Industrie, Landwirtschaft und Baugewerbe unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Oft bekamen sie Tage lang keine Nahrung und waren in Baracken ohne sanitäre Anlagen, Betten und Öfen untergebracht. „Im Rahmen meines Forschungsprojektes werde ich versuchen, die Gesamtzahl von Kindern und Jugendlichen, ihr Alter und Geschlecht, ihre ethnische, nationale und regionale Herkunft sowie das geographische und berufliche Umfeld ihrer Beschäftigung zu erfassen,“ erzählt der Professor. „Besondere Beachtung schenke ich den Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Jugendlichen sowie ihre Behandlung durch Arbeitgeber, Kollegen, der Zivilbevölkerung und anderen Zwangsarbeitern.“

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Forschung Steinerts ist der Umgang mit diesen traumatisierenden Erlebnissen nach der Befreiung. Die Erinnerung an die Zwangs- und Sklavenarbeit wurde von den Überlebenden ganz unterschiedlich verarbeitet. „Jüdische Kinder erinnern sich oft an ganz andere Dinge als nichtjüdische Kinder, sie legen großen Wert auf die Erinnerung an die Familie,“ so die Erfahrung von Steinert.

Beim ITS hat der Historiker Schriftverkehr, Namenslisten, allgemeine Informationen über Lager sowie Korrespondenzakten eingesehen. „Es ist viel Material beim ITS vorhanden, das für meine Arbeit hilfreich ist, so zum Beispiel Aufstellungen aus dem sogenannten ‚Umwandererlager Lebrechtsdorf’ oder aus dem ‚Polen-Jugendverwahrlager in Litzmannstadt’. Diese Unterlagen ergaben neue Details für meine Recherche“, so der 54-jährige Professor.