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Koop: „ITS ist Anlaufstelle schlechthin für einen Gesamtüberblick“

Der bekannte Journalist und Publizist Volker Koop hat für sein neues Buchprojekt über die so genannten „Sonder- und Ehrenhäftlinge“ der Konzentrationslager Ende September im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) recherchiert. Zu den hochrangigen Geiseln des NS-Regimes gehörten Politiker, Offiziere, Geistliche und bekannte Persönlichkeiten aus 17 verschiedenen Nationen, darunter Staatsmänner wie der ehemalige französische Ministerpräsident Léon Blum sowie Angehörige der Familie Stauffenberg. Den Erfolg seiner Nachforschungen sowie seinen Eindruck vom Archiv des ITS gab Koop wie folgt wieder:

„Angesichts der Tatsache, dass es kein deutsches ’Zentralarchiv’ zur NS-Zeit gibt, sondern die entsprechenden Archivalien im föderalen Deutschland in den Haupt-, Staats- und Landesarchiven verstreut sind, komplexe Bestände sogar auseinander gerissen wurden, ist der ITS die Anlaufstelle schlechthin, um sich einen Gesamtüberblick über noch vorhandene Unterlagen zu verschaffen. Dies gilt nicht nur für opferzentrierte Themen, sondern angesichts des umfassenden Bestandes auch für verwandte Bereiche. Für die Forschung ist meines Erachtens bedeutsam, dass die Alliierten selbst den Grundstock für eine umfassende Dokumentation des NS-Regimes legten, der ITS aber zudem die eigenen Bestände durch Archivalien aus anderen Archiven ergänzte.

Hilfreich für die Recherchen zum Thema ’Ehren- und Sonderhäftlinge’ war der ITS insofern, als ich hier Dokumente - zum Beispiel zur KZ-Außenstelle Schloss Itter oder zur Feste Königstein, aber auch zu einzelnen Personen  - fand. Diese existieren in den Ursprungsarchiven möglicherweise gar nicht mehr oder werden zumindest in den Findmitteln nicht mehr aufgeführt.

Beachtlich sind der Stand der Digitalisierung von Dokumenten sowie ihre Erschließung und Aufbereitung in Form von Schlagwortverzeichnissen. Das ITS-Archiv ist erst seit zwei Jahren für die Forschung geöffnet, wird den damit verbundenen neuen Aufgaben aber bereits gerecht. Möglicherweise leidet das Archiv darunter, dass der ITS - ebenso wie übrigens die ’Birthler-Behörde’ - als Forschungsstätte bei Historikern noch nicht den Bekanntheitsgrad erlangt hat, der seiner Wichtigkeit angemessen wäre. Dies wird sich nach meiner Überzeugung ändern.“