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Krefeld im Nationalsozialismus

Ingrid Schupetta, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in Krefeld, hat vier Tage im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen recherchiert. Nach 20 Jahren soll die Ausstellung in der Gedenkstätte überarbeitet werden. „Ich schaue mir die Dokumente in der Datenbank des ITS aus verschiedenen Blickwinkeln an“, so die Politikwissenschaftlerin. „Dabei bin ich auf interessante Unterlagen gestoßen.“

Alle Dokumente, die aus Krefeld stammen oder einen direkten Bezug zu der Stadt haben, sollen derzeit zusammen getragen werden, erzählt die 58-Jährige. Ihren Schwerpunkt legt sie weniger auf die Lebenswege von Opfern, sondern mehr auf Orte und Schauplätze, die zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung eine wichtige Rolle spielten. „Ich stelle mir Fragen wie: Was könnte Kinder und Jugendliche heute interessieren? Welche Aspekte sind für die Zukunft relevant? Und was ist wichtig für Menschen, die nie Kontakt zum Thema und den Opfern oder Überlebenden des Nationalsozialismus hatten?“

Eine Liste der Lager für Zwangsarbeiter in Krefeld, die in der Nachkriegszeit vom Ausländeramt erstellt worden ist, wird beim ITS aufbewahrt. „Daraus könnte ein Stadtplan entstehen, der Interessierte an die Schauplätze von damals führt“, stellt sich Schupetta vor. Erfahrungen in diese Richtung hat sie beispielsweise mit einem Foto gemacht, das Sportfeste der Hitlerjugend im Stadtpark zeigt. „Die Krefelder Jugendlichen halten sich oft in diesem Park auf. Das Foto aus ihrer Umgebung ist eine Verbindung von gestern zu heute. So werden sie nicht nur mit den üblichen Bildern aus Schulbüchern konfrontiert.“ Neben dem Aspekt, die Dokumente in die pädagogische Arbeit mit einzubinden, sucht sie auch nach Besonderheiten für die Ausstellung. „Der Besuch beim ITS war wichtig. Ich habe inhaltlich spannende Details gefunden“, so die Forscherin.

Schupetta betreut in Krefeld seit 1991 die NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer. Die Villa wurde 1924/25 für den jüdischen Seidenhändler Richard Merländer gebaut. Im Juli 1942 wurde er in das Lager Theresienstadt deportiert und von dort aus nach Treblinka. „Die Stätte ist ein besonderer Ort, in dem die deutsch-jüdische Geschichte nachspürbar ist“, so die Dokumentationsstellenleiterin.