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Landkarte hilft bei Schicksalsklärung

Eine Landkarte aus dem Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) hat dazu beigetragen, das Schicksal eines Häftlings aus dem Konzentrationslager Dachau endgültig zu klären. Der ungarische Jude Laslo Schröter starb auf einem Todesmarsch im bayerischen Antdorf. „Bisher galt sein Schicksal als offen“, sagte Albert Knoll, Archivar der Gedenkstätte Dachau. „Für uns sind neue Erkenntnisse aus den Dokumenten des ITS überaus wertvoll, da wir im kommenden Jahr ein Totenbuch veröffentlichen werden.“

Laut der Landkarte, die den Verlauf der Todesmärsche aus dem KZ Dachau beschreibt, sind in Antdorf insgesamt zehn Menschen umgekommen. Die Alliierten versuchten sie unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu identifizieren. Sämtliche Unterlagen zu der damaligen Recherche sind heute im Archiv des ITS zu finden. Der seinerzeitige Bürgermeister von Antdorf gab am 11. Dezember 1948 gegenüber der US-Armee an, dass ein KZ-Insasse mit der Häftlingsnummer 155660 am 12. Mai 1945 in einem Massengrab in Antdorf begraben worden sei.

Ein Abgleich der Nummer mit Dokumenten im Archiv des Internationalen Suchdienstes ergab den Namen des Opfers. „Die Dokumente zur Identifizierung von Opfern der Todesmärschen standen uns ebenso wie die Landkarten bisher nicht zur Verfügung“, sagte Knoll. „Ich hoffe, dass wir mit Hilfe des ITS einige Schicksale klären können, die in der Gedenkstätte bislang mit einem Fragezeichen versehen waren.“

Laslo Schröter, ungarischer Jude, Familienvater und von Beruf Automechaniker, war von den Nationalsozialisten am 20. November 1944 in Budapest festgenommen worden. Er wurde zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, am 7. Februar 1945 ins KZ Buchenwald und am 12. März 1945 ins KZ Natzweiler überstellt. Nachdem er wegen seines Gesundheitszustandes nicht mehr arbeitsfähig war, landete er am 12. April 1945 schließlich im SS-Arbeits- und Krankenlager Allach, einem Außenkommando des KZ Dachau. Von hier aus musste er sich auf den letzten Marsch seines Lebens begeben, der von den Überlebenden später als „Todesmarsch“ bezeichnet wurde, weil er vielen Häftlingen das Leben kostete. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde von der SS in der Regel erschossen. Schröter wurde 40 Jahre alt.

Der Forschung sind bis heute etwa zehn Todesmärsche aus dem KZ Dachau bekannt. „Die Berichte zum Verlauf der Märsche, die von Überlebenden und den Alliierten zusammengestellten Landkarten und die Unterlegen zur versuchten Identifizierung der Opfer im Archiv des ITS helfen uns weiter“, so Knoll. „Sie bringen neue Erkenntnisse für unsere Forschung. Zugleich zeigen sie, dass sich das Sterben nicht auf die Lager beschränkte, sondern sich am Ende des Krieges über das ganze Land ergoss.“