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Lesung „Geboren im KZ“ beim Internationalen Suchdienst

„Ich werde Dich nach Hause bringen“, sagte Miriam Rosenthal täglich zu dem Baby, das in ihrem Bauch heranwuchs. Eine Schwangerschaft im Konzentrationslager bedeutete für jüdische Häftlinge für gewöhnlich das Todesurteil. Doch sieben Frauen brachten inmitten der Zerstörung von Leben ein Kind zur Welt. Die ungewöhnliche Geschichte erzählt das Buch „Geboren im KZ. Sieben Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering I“, aus dem gestern anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages die Autoren Eva Gruberová und Helmut Zeller beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen lasen.

Etwa 70 Gäste zählte die Veranstaltung, die der ITS in Kooperation mit dem Verein „Rückblende – Gegen das Vergessen“ Volkmarsen und im Rahmenprogramm der Ausstellung „Legalisierter Raub“ in Wolfhagen anbot. Zeitzeugin Marika Nováková, eines der im KZ geborenen Kinder, konnte nicht teilnehmen, da sie bei der Anreise gestürzt war. „Wir hoffen auf ihre schnelle Genesung und wünschen ihr aus der Ferne alles Gute“, sagte ITS-Direktorin Professor Rebecca Boehling bei der Begrüßung der Gäste.

Gefühlvoll und authentisch gaben die beiden Autoren einzelne Passagen aus ihrem Buch wider und erklärten anhand von Eckdaten auch den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Im Mittelpunkt ihrer Schilderungen stehen die beiden Frauen Miriam Rosenthal und Eva Schwartz, die ihre Geschichte den beiden Autoren noch persönlich erzählen konnten. Sie waren nach dem Einmarsch der Deutschen in Ungarn Mitte 1944 in die Lager von Auschwitz und letztlich nach Kaufering verschleppt worden. Monatelang versuchten sie ihre Schwangerschaft zu verbergen und trotz des Hungers und der harten Zwangsarbeit am Leben zu bleiben. „Von den Häftlingen wurde die Nachricht von der Geburt der Babys als Sensation und Zeichen der Hoffnung empfunden“, schildert Autorin Gruberová.

Vor dem sicheren Tod rettete die ungarischen Jüdinnen letztlich das nahende Kriegsende. Der Weg zurück nach Auschwitz war nach der Entdeckung der Schwangerschaft nicht mehr möglich, da die Gaskammern wegen der heranrückenden Roten Armee bereits zerstört worden waren. Zugleich erhoffte sich der Lagerleiter des Dachauer Außenkommandos Kaufering I, SS-Hauptscharführer Georg Deffner, von der Verschonung der jungen Mütter eine weniger harte Bestrafung durch die zu erwartenden alliierten Militärgerichte. „Seine Ehefrau schickte er anlässlich der Dachauer Prozesse 1947 zu den Frauen mit einer vorbereiteten Aussage“, berichtet Autor Zeller. Eine der sieben Mütter unterschrieb. Deffner wurde, obwohl etwa die Hälfte der Häftlinge in Kaufering I aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager gestorben war, nur zu drei Jahren Haft verurteilt.

Für ihre Recherchen haben die beiden Autoren zahlreiche Archive durchforstet und Zeitzeugengespräche geführt. „Auch die Dokumente des ITS haben uns geholfen, die Geschichte der sieben Frauen zu rekonstruieren“, so Gruberová. Die Ergebnisse ihrer Nachforschungen flossen auch in einen gleichnamigen Dokumentarfilm und eine Ausstellung in der Gedenkstätte Dachau ein. Im Gegensatz zu anderen Schilderungen nimmt das Buch der beiden Autoren auch die Nachkriegszeit in den Blick. „Bis heute stehen die Kinder in Kontakt zueinander“, erzählt Gruberová. Von den Müttern ist Miriam Rosenthal als einzige noch am Leben. „Sie wohnt in Toronto, Kanada, und hat mittlerweile zwölf Urenkel.“