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„Lücken in der vorhandenen Dokumentation füllen“

v.l. Oberstleutnant Gerhard Roletscheck und Oberstabsfeldwebel Helmut Müller

Die beiden Angehörigen der Luftwaffe, Oberstleutnant Gerhard Roletscheck und Oberstabsfeldwebel Helmut Müller, haben drei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen Transportlisten und Sterbebücher sowie weitere Dokumente des Dachauer Außenlagers Kaufering durchgesehen, das sich auf dem heutigen Gelände der Welfenkaserne in Landsberg am Lech befand. „Dort entstand 1944 eine - ‚Weingut II‘ - von drei halbunterirdischen Flugzeugfabriken“, berichtet Müller. „Für den Bau wurden Häftlinge aus Konzentrationslagern ausgebeutet. Beim ITS können wir Lücken in der vorhandenen Dokumentation füllen.“

Unter der Aufsicht der Oberbauleitung mit dem Decknamen „Ringeltaube“ wurde das Bauprojekt von der Organisation Todt durchgeführt. „‘Weingut II‘ war der einzige Bunker, der bis zum 21. April 1945 nahezu fertig gestellt wurde“, erzählt Müller. Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau wurden nach Kaufering überstellt und mussten unter schlimmsten Arbeitsbedingungen den Bau unterstützen. „Rund 21.000 Häftlinge von Juni 1944 bis April 1945 wurden hier eingesetzt“, so der Oberstabsfeldwebel.

Bis in die Anfänge der 1980iger Jahre spielte die Geschichte des Bunkers im Bewusstsein der Bevölkerung von Landsberg und der in der Kaserne beschäftigten Soldaten keine Rolle, weiß Roletscheck. Erst als Landsberger Schüler Fragen stellten, wurde angefangen, die Geschichte des Bunkers zusammenzutragen. Zum 50. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager wurden ehemalige Häftlinge durch die Stadt Landsberg am Lech und die Gemeinde Kaufering eingeladen. „Zum ersten Mal besuchten Überlebende den Ort ihrer Inhaftierung“, so der Oberstleutnant. „Seitdem wird aktiv Gedenk- und Erinnerungsarbeit in der Welfenkaserne betrieben.“

Beim ITS haben die Beiden überwiegend Listenmaterial zum Außenlager Kaufering durchgesehen. „Die Ergebnisse fließen in eine Ausstellung ein. Vor allem möchten wir aber Materialien für die Bildungsarbeit erstellen“, sagt Müller. „Neben Überlebenden und ihren Angehörigen haben wir einige Schüler und Studenten sowie unsere eigenen Soldaten zu Besuch. Wir möchten zeigen, dass das Militär in der Gedenkarbeit tätig ist und eine Sammlung für die Nachwelt bewahren. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bereich Forschung und Bildung des ITS wird zukünftig angestrebt.“