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„Mit Akten arbeiten ist spannend“

20 Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Katharinen-Gymnasiums in Ingolstadt haben zwei Tage zu Displaced Persons (DPs) beim International Tracing Service (ITS) geforscht. Recherchiert wurde unter anderem zu der Kultur, Organisation und Verwaltung in den DP-Camps, der Repatriierung in die Sowjetunion, Kind-Überlebenden, Zwangsarbeit in Firmen in Ingolstadt und den nachfolgenden Wegen der befreiten Zwangsarbeiter sowie zu Nazi-Kollaborateuren, die sich als DPs ausgaben.

Begleitet wurden die Schüler von den beiden Pädagogen Dr. Matthias Schickel und Alexander Schöner, die bereits langjährige Partner des ITS in der Bildungsarbeit und der Multiplikatorenausbildung sind. Die an der Schule in Ingolstadt geleistete Vorbereitung ins Thema erleichterte den Jugendlichen den Einstieg auch in die Geschichte des ITS. Organisationen, wie die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) und Aspekte, wie die Fürsorge für die von Nazi-Deutschland Deportierten, in die Zwangsarbeit getriebenen und die Überlebenden des Holocaust, waren den Jugendlichen in Grundzügen bekannt.

Nach einer Einführung in die Aufgaben des ITS und seiner Bestände konnten die Schüler einen Blick in Krankenakten des DP-Hospitals Ingolstadt werfen und fragten sich, was die Spätfolgen von Holocaust, Zwangsarbeit und Traumatisierungen waren? Wie spiegelten sich solche Erfahrungen physisch wider? „Ein Einzelschicksal zeigt viel von dem, was den Menschen angetan wurde“, stellte Schülerin Zoé Reinke während der Auseinandersetzung mit den Dokumenten fest.

In der Abschlussrunde resümierten die beiden Pädagogen, dass die Schüler zuerst in der Masse des Archivs verloren waren, aber dann merkten, dass eine Handvoll Dokumente aussagekräftig genug sein kann, um ihre Arbeit zu stützen. Diese Fokussierung sei ein Teil des wissenschaftlichen Lernprozesses. Die Schüler zogen eine weitgehend positive Bilanz aus ihrem ersten Archivbesuch. „Es hat Spaß gemacht und mit Akten zu arbeiten, ist spannend“, meinte Christian Froschmeir. „Auch wenn ich keine Erfahrungsberichte gefunden habe, so wurde mir doch deutlich, wie intensiv sich DPs bemühten, eine neue Zukunft aufzubauen“, unterstrich Miriam Wink. Susanne Urban, Leiterin der Forschung und Bildung im ITS, schätzte die Anstrengungen der Jugendlichen, sich in das schwere Thema einzuarbeiten und berichtete von ihrer eigenen Recherche zu der Ausstellung über DPs, die im September 2014 eröffnet wird.

Die Schüler werden mit den Erkenntnissen, weiteren Recherchen und den ITS-Dokumenten erste wissenschaftliche bzw. praxisorientierte Arbeiten erstellen. Weitere Ideen zur Zusammenarbeit zwischen dem Katharinen-Gymnasium und dem ITS sind bereits entstanden. In 2014 wird eine Lehrerfortbildung in Ingolstadt stattfinden und ein Besuch der Schülergruppe in der DP-Ausstellung in Frankfurt 2015 organisiert.