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Mitarbeiter der Gedenkstätte Dachau verschaffen sich Gesamtüberblick

Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, und zwei ihrer Kollegen haben sich knapp eine Woche lang beim Internationalen Suchdienst (ITS) einen Überblick über den Dokumentenbestand in Bad Arolsen verschafft. Dabei fiel ihr Hauptaugenmerk auf Schicksale der ehemaligen Häftlinge sowie den Schriftverkehr der SS zum Konzentrationslager Dachau. „Wir sind beeindruckt von dem Umfang der Dokumente. Für unser Archiv und den Forschungsbereich sind diese Archivalien von besonderer Bedeutung“, sagt Hammermann.

„Im Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern gab es insgesamt zirka 200.000 Häftlinge aus ganz Europa, die aus verschiedenen Gründen verhaftet worden waren“, berichtet Dr. Dirk Riedel von der Gedenkstätte. „Davon sind uns rund 195.000 Namen bekannt.“ Beim ITS recherchiert Riedel nun speziell das Verfolgungsschicksal zu überlebenden Häftlingen. „Wir wollen die Lebenswege der Opfer komplett darstellen und nicht nur den Aspekt der Inhaftierung“, unterstreicht er. Sein Kollege Albert Knoll ist unterdessen mit den Abschlussarbeiten für das Totenbuch beschäftigt. Dafür geht auch Knoll die Zentrale Namenkartei des ITS durch, die Hinweise zu 17,5 Millionen Personen beinhaltet. Ihm geht es dabei um die Klärung, ob Häftlinge die Befreiung erlebten oder ermordet wurden.

Hammermann, die seit Januar dieses Jahres die Gedenkstätte in Dachau leitet, sichtet während ihres Besuchs allgemeine Unterlagen zum KZ Dachau und seinen Außerlagern. „Ab März 1945 ist die Dokumentation in unserem Archiv unvollständig. Beim ITS können wir diese Lücken füllen“, freut sich die Leiterin. Sie führte zugleich Gespräche mit ITS-Direktor Jean-Luc Blondel, um die Zusammenarbeit zwischen dem Suchdienst und der Gedenkstätte weiter zu intensivieren. Als Mitglied der "Deutsch-Italienischen Historikerkommission" sichtet sie in einer Vorrecherche personengebundene Unterlagen zu italienischen Militärinternierten, da das Gremien Forschungsaufträge an junge Wissenschaftler vergeben wird.

Das Konzentrationslager Dachau wurde wenige Wochen, nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, für politische Häftlinge errichtet und bestand bis zur Befreiung am 29. April 1945. Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers wurde im Jahr 1965 auf Initiative der überlebenden Häftlinge errichtet, die sich im Comité International de Dachau zusammengeschlossen hatten. In den Jahren 1996 bis 2003 wurde im Rahmen einer Neukonzeption eine Dokumentationsausstellung erschaffen. Seit Ende April 2009 steht den Gästen ein Besucherzentrum mit Empfangs- und Servicebereich sowie Buchladen und Cafe zur Verfügung.