a A

"Nachfolgende Generation wird Fragen stellen"

Professor Baruch Nevo von der Universität Haifa und die israelische Schriftstellerin Savyon Liebrecht haben gestern den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besucht. Sie wollten sich persönlich ein Bild von der Einrichtung, speziell dem Archiv, den Recherchemöglichkeiten und den Plänen zur Bildungsarbeit machen. „Hier wird eine wichtige Arbeit geleistet mit viel Herz und Emotion - eine überwältigende Erfahrung“, sagte Liebrecht.

Die beiden Israelis führten auch Gespräche mit Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung, und Vizedirektor Djordje Drndarski. „Im ITS werden die Einzelschicksale deutlich, die hinter den Begriffen des Zweiten Weltkrieges und der Shoah stehen“, sagte Nevo. „Viele Einrichtungen beschreiben das Geschehen allgemein, aber hier wird es persönlich. Mich interessierte vor allem, wie sich die Dokumente für die Bildungsarbeit nutzen lassen.“

Auch nach den Schicksalen ihrer eigenen Familie recherchierten die beiden Israelis im Archiv des ITS. Liebrecht fand Dokumente mit der Unterschrift und einem Foto ihres Vaters, aber auch die Dokumente zu ihrer Geburt als Displaced Person im Nachkriegsdeutschland. Nevo sah ein Dokument, das den bislang nur vermuteten Ort der Ermordung seiner Großeltern bestätigte. „Die Generation unserer Eltern hat häufig geschwiegen“, sagte Liebrecht. „Jetzt traut sich die nachfolgende Generation, nach Informationen zu forschen. Mich wundert die anhaltend hohe Zahl der Anfragen daher nicht.“