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Nachforschungen zu Deportationen aus Franken

Anfang November 2010 hat Ekkehard Hübschmann 15 Schicksale von Juden aus Franken im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) recherchiert. „Ich habe für gut die Hälfte der Menschen neue Erkenntnisse finden können“, berichtet Hübschmann erfreut. „Diese beziehen sich zum größten Teil auf den Bereich der Lager für Displaced Persons.“ Der freiberufliche Historiker beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der jüdischen Geschichte in Franken.

Hübschmann, der in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Geschichtswerkstätten aktiv ist, versucht die Schicksale fränkischer Juden während der NS-Zeit nachzuzeichnen. „Über die Jahre hinweg habe ich viele Freundschaften zu Familien von Deportierten geknüpft und Lebenswege nachvollziehen können“, sagt der Historiker. „Im ITS Archiv habe ich beispielsweise einen Heiratseintrag zu Richard Isaak gefunden. Aus dem gehen die Namen der Frau und des Kindes hervor. Für meine Recherche und die Familie in den USA ist das ein wesentliches Detail.“

Vor dem Holocaust gab es zahlreiche jüdische Gemeinden in Franken. „Über 4.000 Menschen wurden aus Nürnberg, dem Sammel- und Ausgangspunkt für alle Transporte aus den Regierungsbezirken Unter-, Mittel- und Oberfranken, verschleppt“, berichtet Hübschmann. Der erste Transport ging am 27. November 1941 nach Riga. Es folgten sieben Transporte nach Izbica, Karasniczyn, Theresienstadt und Auschwitz. „Die Aufarbeitung der Geschichte ist gleichzeitig das Gedenken an die Opfer“, unterstreicht Hübschmann. „Eine zusammenhängende Erforschung der Deportationen aus Franken steht bislang noch aus. Mit der Arbeitsgemeinschaft Fränkisch-Jüdische Geschichte wollen wir diese Lücke füllen.“