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Nachforschungen zur Zwangsarbeit in Frankenhausen

Ein Projektseminar hat Anfang Juni drei Studenten der Fachbereiche Agrar- und Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel zusammen mit Historiker Jochen Ebert zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen geführt. Bei ihrer Recherche beschäftigten sie sich mit Zwangsarbeitern der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen während des Zweiten Weltkrieges. „Durch die gute Betreuung beim ITS konnten wir schon einige Namen feststellen und genauere Details zu den so genannten Zivilbeschäftigten erhalten“, berichtet Ebert.

Die Hessische Staatsdomäne Frankenhausen wurde 1998 von der Universität Kassel zum Zweck des Versuchs- und Lehrbetriebes gepachtet. Gleichzeitig stieg das Interesse an der Vergangenheit dieses Anwesens, der sich Ebert zurzeit mit einer Doktorarbeit annimmt. „Da es den Rahmen meiner Promotion sprengen würde, veranstalten wir zum Thema ‚Zwangsarbeit in der Landwirtschaft Nordhessen – Beispiel Frankenhausen’ ein eigenes Projektseminar für die Bereiche Agrar- und Gesellschaftswissenschaften.“

Drei engagierte Studenten forschen seit zwei Semestern in Archiven und Gedenkstätten nach Schicksalen von Zwangsarbeitern auf dem ehemaligen Gut. „In der Gedenkstätte Breitenau haben wir bereits zahlreiche Unterlagen gesichtet. Beim ITS können wir jetzt digital Originale einsehen“, erzählt Studentin Hannah Fritsch. Aufstellungen von der Leitung vom Gut Frankenhausen und Listen aus dem Landkreis Hofgeismar interessierten die Besucher besonders. „Den Verzeichnissen der Ortskrankenkassen haben wir zusätzlich 60 Namen entnommen. Dies war möglich, da das Gut Frankenhausen als Arbeitgeber auf diesen Listen erscheint“, berichtet Ebert.

Ausländische Zivilarbeiter waren nach nationalsozialistischem Sprachgebrauch Arbeitskräfte aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern, die in ihrer Heimat unter Druck angeworben und in Deutschland überwiegend unter menschenunwürdigen Bedingungen als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. In Frankenhausen waren überwiegend Arbeiter aus Polen, der Ukraine und Russland beschäftigt. Sie waren in der Nähe des Gutes in Lagern untergebracht.

„Zur Zeit sammeln wir erst einmal alle Informationen“, erklärt der Historiker. „Wir können uns verschiedene Wege der Veröffentlichung unserer Forschungsergebnisse vorstellen. Ende Juni 2009 wird ein Hoffest in Frankenhausen stattfinden, auf dem wir erste Tafeln mit Ergebnissen ausstellen wollen. Hier werden uns die Dokumentenscans vom ITS überaus nützlich sein.“