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Neue Ansätze für Forschungsfragen

Vom 30. Oktober bis zum 2. November 2014 fand in Boca Raton, Florida, die biennale Konferenz Lessons & Legacies of the Holocaust statt, die gemeinsam von der Holocaust Education Foundation der Northwestern University und der Florida Atlantic University veranstaltet wurde. Ein Konferenz-Panel war dem Forschungspotential der Dokumente im Archiv des International Tracing Service (ITS) gewidmet. Dazu waren auch Wissenschaftlerinnen eingeladen, die in England sowie in Amerika für die digitale Sammlung des ITS zuständig sind. Im Zentrum stand eine Betrachtung des Aussagewerts von ITS-Archivalien am Beispiel von drei Forschungsprojekten. Prof. Dr. Rebecca Boehling moderierte und kommentierte als Direktorin des ITS diesen Teil der Konferenz.

Drei Beispiele: Auswertung von Quellen aus dem ITS Archiv

Prof. Dr. Rebecca Boehling sprach zuerst über die Geschichte des ITS, die archivalischen Bestände und wie sie zustande kamen. Sie stellte Forschungsthemen vor, die durch Dokumente aus dem Archiv des ITS wichtige Impulse bekommen könnten.

Elisabeth Anthony, die beim United States Holocaust Memorial Museum, Washington, für die Forschung in den digitalen Beständen des ITS zuständig ist, und gleichzeitig bei der Clark University in Worcester, Massachusetts promoviert, sprach über „Represantations of Sexual Violence in ITS Documentation“. Sie wertete Inhaftierungsdokumente, frühe Zeugnisse von Überlebenden aus Befragungen der Alliierten sowie Korrespondenzakten des ITS für ihre Forschung über KZ-Bordelle als Orte der Zwangs- und Sklavenarbeit für weibliche Insassen aus.

Dr. Suzanne Brown-Fleming vom United States Holocaust Memorial Museum, Washington, zeigte in ihrem Vortrag „Imagining the Refugee in ITS“ auf, wie Flüchtlinge nach 1945 agierten, um als DP registriert zu werden und so die Chancen für materielle Unterstützung und eine Emigration zu verbessern. Die Auswertung der ITS-Dokumente ermöglichte es ihr dabei, die IRO-Einteilung in den Status Flüchtling oder Opfer genauer zu beleuchten und zu problematisieren.

Aus der Erfahrung von Dr. Christine Schmidt, die bei der Wiener Library in London für die dortige digitale Sammlung des ITS zuständig ist,  bieten ITS-Dokumente auch die Möglichkeit, mehr Informationen über bisher vernachlässigte Aspekte der jüdischen Verfolgung zu gewinnen. Sie stellte in ihrem Vortrag „Women behind Barbed Wire: Hungarian Jewish Women Slave Laborers in the Nazi Camps“ ihre Forschung bezogen auf 1944 bis 1945 vor, als immer mehr Außenlager von KZs eröffnet wurden, in denen jüdischen Inhaftierte Sklavenarbeit leisten mussten. Namenslisten und Aussagen von Überlebenden dienten ihr dazu, Aspekte wie Überlebenschancen, Beziehungen der weiblichen Häftlinge untereinander, Verwandtschaftsverhältnisse und die Prioritäten der deutschen Administration zu entschlüsseln.

Alle zwei Jahre treffen sich internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Lessons & Legacies of the Holocaust Conference in den USA. Diese wichtigste amerikanische Holocaust-Konferenz wurde 1989 von dem Auschwitz-Überlebenden Theodore Zev Weiss und anderen jüdischen Überlebenden in den USA ins Leben gerufen, die bereits auch die Holocaust Educational Foundation gegründet hatten.