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Pädagogen aus Russland beim ITS

Pädagogen aus Russland beim ITS in Bad Arolsen.

Anfang Mai 2013 fand beim International Tracing Service (ITS) ein Seminar in Kooperation mit dem Russischen Holocaust Forschungs- und Bildungszentrum und der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz statt. 15 Pädagogen aus zwölf verschiedenen Regionen der Russischen Föderation besuchten den ITS, um sich hier über die Geschichte des Nationalsozialismus und die Verfolgung der Juden zu informieren. Die Veranstaltung wurde anschließend in Berlin fortgesetzt.

Unter den Besuchern befanden sich Lehrer, Professoren und Dozenten von Hochschulen und Universitäten sowie Archivpädagogen und Jugendarbeiter. Im Gegensatz zur Bildungsarbeit in Deutschland sei das Thema Holocaust in Russland immer noch wenig beleuchtet, so die Erfahrungen der russischen Seminarteilnehmer. Obwohl das Russische Holocaust Forschungs- und Bildungszentrum sowie seine Vertretungen in elf Regionen des Landes dafür ein Fundament legen konnten, wird bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust in Russland oft noch Pionierarbeit geleistet.

Beim ITS erhielten die Seminarteilnehmer eine Übersicht über die Geschichte, die Aufgaben der Institution sowie über die Dokumentenbestände. Vertreter des ITS haben insbesondere Projekte im Bereich der Bildungsarbeit sowie die Unterrichtsmaterialien vorgestellt. „Das Thema Holocaust spielte in der Vergangenheit in den Lehrplänen russischer Schulen keine Rolle“, so Elisabeth Schwabauer, Mitarbeiterin im Bereich Forschung und Bildung beim ITS. „Es wurde immer vom Großen Vaterländischen Krieg gesprochen, Opfer wurden undifferenziert als Zivilisten und Sowjetbürger bezeichnet. Von Juden als eigener Opfergruppe war nie die Rede.“

Im Anschluss hatten die Pädagogen die Möglichkeit in der digitalen Datenbank des ITS selbst zu recherchieren. „Das elektronische Archiv des ITS ist ein Archiv der Zukunft“, so Professor Dr. Dmitri Aronov. „Für das in Russland wenig erforschte Thema der Displaced Persons liegen in Arolsen wertvolle Dokumente.“ Für die Zukunft können sich die Veranstalter und Teilnehmer vorstellen, gemeinsame Unterrichtsmaterialien zu erstellen. „Die Pädagogen konnten durch die aufgezeichneten Zugänge neue Formen der Wissensvermittlung in der Schulbildung entdecken“, sagt Professor Ilya Altman, Leiter des Russischen Holocaust Forschungs- und Bildungszentrum in Moskau. „Das Seminar ist eine wichtige Botschaft für die Archivpädagogik in der Russischen Föderation.“