a A

Projekt zu Displaced Persons in Mittelhessen

Im Rahmen der Kooperation des Internationalen Suchdienstes (ITS) mit der Universität Gießen haben am 15. Juni 2012 erneut Studenten des Fachbereichs Geschichte im Archiv des ITS recherchiert, darunter vier Studenten für das Projekt der Geschichtswerkstatt Europa „Displaced Persons in Mittelhessen 1945-1960 - Miteinander, Nebeneinander oder Gegeneinander?“. „Wir erforschen die Kultur, die sich in den DP-Lagern entwickelt hat“, erklärt Student Andriy Kazymyriv. „Eine wesentliche Grundlage unseres Projektes sind die Dokumente im Archiv des ITS zu den Überlebenden der Verfolgung und Zwangsarbeit.“

Das aus einer studentischen Initiative heraus entwickelte Vorhaben will die Lebenswege der DPs, ihre Situation im Nachkriegsdeutschland, ihren Alltag, das Zusammenleben mit der deutschen Bevölkerung und die hinterlassenen Spuren beleuchten. Die Erfahrungen von Betroffenen, Angehörigen und Wissenschaftlern sollen in die Forschungsarbeit einfließen. „Die Befreiung Deutschlands 1945 bedeutete für die unzähligen Opfer des NS-Regimes nicht nur das Ende des Leidens, sondern auch eine unsichere Zukunft“, erzählt Kazymyriv. „Die DPs hatten keine Sicherheit, ob und wann sie in ihre Heimat zurückkehren würden.“

Das deutsch-ukrainische Kooperationsprojekt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ), dem Institut für Angewandte Geschichte der Universität Gießen und weiteren Forschungseinrichtungen in der Ukraine will einen Beitrag zur Aufarbeitung und zur Erweiterung der lokalen Erinnerungskultur leisten, da diese Periode der Nachkriegsgeschichte bisher kaum Beachtung fand. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Lebenswegen von Ukrainern, die einen hohen Anteil unter den DPs ausmachten. „Zu unserem Team zählen auch zwei Studenten, die aus der Ukraine stammen, was die Zusammenarbeit mit den Partnern dort enorm erleichtert“, berichtet Professor Hans-Jürgen Bömelburg, der das Projekt von Seiten der Universität begleitet.

Das Archiv des ITS soll zunächst Aufschluss darüber geben, in welchen Lagern Mittelhessens ukrainische DPs untergebracht waren und welche Lebenswege sie bis dato hatten. Zudem klären die Studenten anhand der Dokumente, wie sich die meisten Ukrainer nach den neuen Grenzziehungen in Ostmitteleuropa definierten (ukrainisch, russisch, polnisch, jüdisch oder staatenlos) und welche Wunschziele sie bei der Befragung durch die Alliierten angaben - die alte Heimat, eine Emigration oder vielleicht sogar einen Verbleib in Deutschland. „Letztlich vergingen zwei Jahrzehnte, bis der letzte DP die Lager der westlichen Besatzungszone verließ“, sagt Kazymyriv.

Ziel des Projektes ist unter anderem eine Wanderausstellung, die die vergessene Lagerkultur und die Einzelschicksale der DP’s darstellen wird. Die Studierenden suchen für ihr Projekt auch noch Zeitzeugen, die als DPs in Mittelhessen waren und über ihre Erfahrungen berichten können. Interessierte können sich melden im Sekretariat der Osteuropäischen Geschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen bei: Lidia Gläsmann, Tel.: 0641-992 82 51, Email: lidia.glaesmann@geschichte.uni-giessen.de.