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Projektwoche im Archiv des ITS

Schülerinnen der Christian-Rauch-Schule

Eine Woche haben sich 19 Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen im Rahmen einer Projektwoche mit dem Thema „Kinderleben im und unter dem Nationalsozialismus. Zwischen ‚Lebensborn‘, Eindeutschung, Deportation und Vernichtung“ beim Internationalen Suchdienst (ITS) beschäftigt. „Insgesamt sind unsere Erwartungen übertroffen worden“, resümiert Geschichtslehrerin Annette Marterer. „Die Schüler haben sowohl inhaltlich als auch im sozial-affektiven Bereich einen positiven Nutzen ziehen können.“

Ziel der Projektwoche war die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Rassenideologie über die Lebensgeschichten und Schicksale von Kindern, die zu dieser Zeit gelebt haben. Dabei standen nicht die Dokumente der Täter, sondern der Blickwinkel der Betroffenen im Vordergrund. Kinder als Zwangsarbeiter, deportierte Kinder aus dem tschechischen Ort Lidice, das Schicksal junger Sinti und Roma sowie der „Kinderblock 66“ im KZ Buchenwald waren die Arbeitsthemen, mit denen sich die Oberstufenschüler auseinandergesetzt haben.

In der Datenbank des ITS konnten die Jugendlichen nach einzelnen Schicksalen recherchieren oder sich über den Hintergrund der Verfolgung informieren. Dafür stand ihnen auch die Bibliothek mit mehr als 5.000 Medien zur Verfügung. Das Team um Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung und Bildung beim ITS, hat die Schüler bei ihren Arbeiten unterstützt und in Gesprächsrunden das Erlebte und Gelesene mit ihnen zusammen ausgewertet.

„Ich empfinde dieses Projekt im Vergleich zum Geschichtsunterricht in der Schule als tiefgehender“, so die Schülerin Carina Braun. „Im Archiv des ITS können wir den Schicksalen Gleichaltriger nachgehen, dies ist eine intensive und schreckliche Erfahrung. Man ist froh, nicht damals gelebt zu haben.“ Gemeinsam mit drei Mitschülerinnen hat sich die 17-Jährige mit Kindern in der Zwangsarbeit beschäftigt. Arbeitskarteien und Listen über die Beschäftigung in der Landwirtschaft und in Firmen haben sie dabei durchgesehen.

„Die meisten Kinder wurden zusammen mit ihren Eltern nach Deutschland verschleppt“, erzählt Sandra Braun. „Doch dann wurden die Familien getrennt und auch die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren mussten arbeiten. Einige waren sogar noch jünger.“ Geschockt waren die Schülerinnen von den Arbeiten, zu diesen die Kinder eingesetzt wurden. „Ein Mädchen musste die Kleidung von vergasten Häftlingen sortieren“, erinnert sie die 17-Jährige. „Dabei fand sie die Bluse ihrer Mutter.“

Die Schüler hätten zum ersten Mal erfahren, auf wie vielen Ebenen die nationalsozialistische Ideologie die Kinder in ihren mörderischen Vernichtungsplan einbezogen hatten, so Marterer. Dabei seien Begriffe, wie „Lebensborn“, deportierte jüdische Kinder, Sinti und Roma sowie Zwangsarbeit durch die eigene und selbständige Recherche mit Inhalt gefüllt und verstanden worden. „Auch auf der Gefühlsebene konnten wir bei den Schülern bemerken, dass ihnen Werte wie Mitleid, Mitgefühl und Dankbarkeit für ihre eigene Situation durchaus wichtig sind und durch ihr Arbeiten verstärkt zum Ausdruck gebracht wurden.“