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Promotion zu Deportationen aus Dänemark

Für ihre Promotion zum Thema „Dänemark unter deutscher Besatzung. Dänische Deportierte in NS-Konzentrationslager“ hat Wissenschaftlerin Birgit Müller drei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS) das Verfolgungsschicksal der über 6000 deportierten Dänen geprüft. „Bei zirka fünf Prozent der Namen habe ich noch zusätzliche wichtige Informationen zur Deportation, Verfolgung und Befreiung finden können“, freute sich Müller.

Das Interesse der Forscherin an der Zeit des Nationalsozialismus begann während ihres Studiums der Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft und des Öffentlichen Rechts in Bonn, Kopenhagen und Potsdam. Seit drei Jahren arbeitet die Berlinerin nun an ihrer Promotion. Nebenbei hat sie promotionsbegleitend das Archiv am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität in Berlin betreut.

„Ich war für die Recherchen zu meiner Doktorarbeit schon in vielen Archiven in Dänemark. Außerdem habe ich Gedenkstätten und das Bundesarchiv aufgesucht“, berichtete Müller. „Jetzt bin ich der Empfehlung von verschiedenen Stellen gefolgt und ergänze meine Kenntnisse mit Hilfe der Zentralen Namenkartei beim ITS.“ Die Wissenschaftlerin hielt die neuen Resultate ihrer Nachforschungen fest und ließ einige digitale Kopien von Originalunterlagen anfertigen. „Meine Forschungsergebnisse setzen sich wie ein Puzzle zusammen. Weitere Lücken konnte ich beim ITS füllen“, so das Fazit von Müller.

Dank des Widerstandes der Dänen gegen die deutsche Besatzungspolitik und der geschickten Diplomatie der bis 1943 offiziell noch eigenständigen dänischen Regierung begannen gezielte Gruppendeportationen im Vergleich zu anderen Ländern erst spät. Im Oktober 1943 wurden Kommunisten, Juden oder Polizisten gruppenweise in Konzentrationslager wie Neuengamme, Stutthof oder Buchenwald transportiert. Die dänische Regierung erreichte für die Deportierten einen Besuch des Roten Kreuzes in Theresienstadt und den Versand von Lebensmittelpaketen an die Häftlinge. „Die meisten Opfer wurden sogar erst nach 1944 deportiert“, berichtete Müller. „Es ist spannend, das kleine Land zu erforschen, vor allem weil viele Menschen gerettet werden konnten. Nach der Befreiung konnten die dänischen Überlebenden schnell in ihre Heimat zurückkehren.“