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Recherche für Gedenkbuch

Andreas Weigelt recherchiert für ein Gedenkbuch.

Andreas Weigelt hat sich drei Tage beim International Tracing Service (ITS) einen Überblick über den Dokumentenbestand zum Konzentrationslager Lieberose verschafft. Unter der Trägerschaft der Kirchengemeinde Lieberose soll im kommenden Jahr ein Gedenkbuch veröffentlicht werden. „Beim ITS kann ich nicht nur in den Dokumenten recherchieren, auch die Korrespondenzakten sind wertvoll für meine Arbeit“, so der Historiker. „Aus früheren Anfragen von Überlebenden oder Familienangehörigen von Verfolgten verspreche ich mir bisher unbekannte Informationen.“

Das KZ Lieberose war ein Nebenlager vom KZ Sachsenhausen. Am 9. November 1943 wurden die ersten 22 Häftlinge aus Sachenhausen dorthin überstellt. Bis zur Auflösung des Lagers waren rund 7000 Häftlinge inhaftiert. Ab Juni 1944 erreichten monatlich Transporte mit jüdischen Häftlingen aus Auschwitz direkt oder über Sachsenhausen das Lager. Das SS-Führungshauptamt ließ die Inhaftierten Kasernen, Straßen und militärische Anlagen für den Waffen-SS-Truppenübungsplatz errichten.

„Wir wollen die Grunddaten der Häftlinge darstellen“, erzählt Weigelt. „Von den Überlebenden haben wir nahezu vollständige Angaben. Bei anderen haben wir nur den Namen.“ Beim ITS wird der Forscher die einzelnen Schicksale in der digitalen Datenbank recherchieren. „Ich habe beispielhaft den Namen David Lewkowitsch eingegeben. Dank der Dokumente kenne ich nun den genauen Haftweg.“

Kontakt hatte Weigelt bereits seit 2008 mit dem ITS bezüglich seines Buches „Judenmord im Reichsgebiet: Lieberose: Außenlager des KZ Sachsenhausen“. „Bei Auflösung des Lagers wurden 1300 Inhaftierte erschossen“, weiß der Forscher. „Unter den Ermordeten waren überwiegend Kranke, die nicht mehr nach Auschwitz ins Krematorium transportiert werden konnten. Ein ungarischer, jüdischer Arzt dessen Name lange nicht bekannt war, griff den Lagerführer an und verletzte ihn lebensgefährlich. Unter anderem anhand von Dokumenten aus dem Archiv des ITS konnte ich die Identität dieses Mannes klären.“