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Recherche zu Buchenwald-Kommando

Das Kommando Leipzig-Schönefeld des Konzentrationslagers Buchenwald ist das Thema der Hausarbeit von Marissa Perry. Eine Woche hat die Studentin der Michigan State University dafür im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) recherchiert. „Ich kann anhand der personenbezogenen Akten die Schicksalswege der Frauen, die hier arbeiteten, rekonstruieren“, sagt Perry. „Aber auch Dokumente wie zum Beispiel Transportlisten und die Korrespondenzfälle helfen mir dabei, ein Bild vom Lager zu bekommen.“

Zurück in den Staaten will sich Perry noch die Zeugenaussagen von Häftlingen anhören. „Durch die Kombination dieser beiden Quellen wird es mir möglich sein, die Geschichte des Lagers zu konstruieren.“ Die 21-Jährige studiert Internationale Beziehungen und Deutsch. Sie hat ein Stipendium im Bereich Holocaustforschung zur Finanzierung ihres Projekts zum Kommando Leipzig-Schönefeld erhalten. „Die Häftlinge aus diesem Kommando wurden in der Hugo Schneider AG (HASAG) in Leipzig zur Zwangsarbeit eingesetzt“, berichtet Perry.

Das Unternehmen produziert Rüstungsgüter und lieferte Munition für die Wehrmacht. 1944 erhielt die Firma durch den Reichsminister für Bewaffnung und Munition auch die Sondervollmacht für die Produktion von Panzerfäusten. Als Perry mit ihrer Recherche startete, fand sie es besonders auffällig, dass ausschließlich Frauen für die Arbeit eingesetzt wurden. „Das lag daran, dass die Besitzer von HASAG auf die ‚günstigen‘ weiblichen Arbeitskräfte zurückgriffen.“ Bereits im Ersten Weltkrieg hatte die Firma Munitionshülsen produziert.

In den ersten Monaten der Existenz des Lagers Leipzig-Schönefeld seien die Lebensbedingungen noch verhältnismäßig gut gewesen, entnahm die Forscherin den allgemeinen Dokumenten über das Kommando. Die Nahrung sei erst gegen Ende des Krieges knapp geworden. Ein weiterer Schwerpunkt von Perrys Arbeit werden die Todesmärsche von 1945 sein. Tausende Häftlinge seien von der Hugo Schneider AG in verschiedene Richtungen abtransportiert worden.