a A

Recherche zu DP Camp Insula

Vier Tage hat der US-Amerikaner John Plume im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) zu Displaced Persons im Camp Insula nahe Berchtesgaden geforscht. „Mein Bruder und ich möchten möglichst viele Lebenswege nachvollziehen“, schildert Plume sein Projekt. Er selbst kam im Oktober 1945 als fünfjähriger Junge mit seiner Familie in das Camp.

Plumes Familie war im Sommer 1944 vor der Roten Armee aus Lettland nach Deutschland geflohen, da sein Vater bereits nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1941 auf einer Verhaftungsliste der Kommunisten gestanden hatte. „An die Flucht kann ich mich kaum erinnern“, berichtet Plume. „Aus Erzählungen weiß ich, dass wir an mehreren Orten, auf Bahnhöfen und Camps hausten.“ Nach einem Jahr mit vielen Zwischenstationen wurde das DP Camp Insula ihr vorläufiges Zuhause. Hier waren vor allem Letten sowie Esten und Litauer untergebracht, ehemalige Zwangsarbeiter, aber auch Kollaborateure und Flüchtlinge vor der stalinistischen Herrschaft.

Im Camp habe das ‚normale‘ Leben wieder angefangen, erinnert sich der 71-Jährige. „Die Versorgung mit Lebensmitteln und die Unterkünfte waren gut. Wir Kinder hatten eine schöne Zeit, spielten und gingen in die Schule.“ Die Eltern waren im Camp selbst oder in umliegenden Betrieben zur Arbeit eingeteilt. „Sie waren lange Zeit unentschlossen, wie es weiter gehen sollte“, erzählt Plume. „Die Auswanderung in ein anderes, unbekanntes Land war für sie ein großer Schritt. Wir Kinder waren dagegen unbedarft und offen für das Neue.“ Im März 1949 wanderte die Familie schließlich an Bord des Schiffes ‚Ernie Pyle‘ in die USA aus. „Dort änderte sich mein lettischer Vorname Janusz in die amerikanische Version John.“

Die ersten Jahre arbeiteten seine Eltern auf einem Bauernhof bei Minneapolis. John selbst war nach der Schulzeit in der Versicherungsbranche tätig und gründete eine Familie. „Die Jahre vergingen“, sagt der Amerikaner. Nach der Auswanderung habe sich seine Familie mit der Vergangenheit kaum beschäftigt. Erst als sein Bruder vor rund zehn Jahren anfing, die Familiengeschichte aufzuarbeiten, wurden das Thema der Flucht und das Leben im Camp Insula wieder aktuell. „Wir haben angefangen Namen, Fotos und Geschichten zu sammeln von lettischen Displaced Persons, die in Insula gelebt hatten“, erklärt er.

Das Netz der Auswanderer sei in den USA, Kanada und vielen anderen Staaten gut und daher konnten über 500 Namen recherchiert werden. „Aus der Sammlung entwickelte sich das Buch ‘Insula Displaced Persons Assembly Center – A Latvian Memoir‘”, so Plume. „Doch seit der Veröffentlichung in 2005 seien weitere Namen und Biografien hinzugekommen. Auch beim ITS hat Plume Details zu einzelnen Schicksalen und neue Namen entdeckt. „Wir sind mittlerweile bei 700“, freut er sich. „Es fällt schwer, das Projekt ruhen zu lassen.“