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Recherche zu KZ-Häftlingen in Salzgitter-Drütte

Opfer des KZ-Außenlagers Salzgitter-Drütte stehen seit einigen Wochen im Mittelpunkt der Recherche von Elke Zacharias und Meike Weth. Die beiden Historikerinnen haben diese Woche im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen intensiv die Unterlagen von den ersten 50 Häftlingen eingesehen, die vom KZ Buchenwald in das Außenlager transportiert wurden. „Ich hätte nie gedacht, dass wir so erfolgreich bei unser Arbeit im ITS-Archiv sein werden“, freut sich Gedenkstättenleiterin Zacharias.

Für die Neukonzeption der Ausstellung in der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte sichten die Historikerinnen personenbezogene Unterlagen. „Dabei berücksichtigen wir besonders die Haftgruppen Sinti und Roma sowie Homosexuelle. Diese fanden in der vorhandenen Ausstellung wenig Beachtung“, so Zacharias. Eine komplette Bestandsliste aller Häftlinge aus dem KZ Drütte existiert nicht. „Das größte Außenlager vom KZ Neuengamme hatte eine hohe Durchlaufquote“, berichtet die 47-Jährige weiter. „Die vorhandenen Informationen setzen sich aus Zeitzeugenberichten, Listen und früheren Forschungsergebnissen zusammen.“

Am 18. Oktober 1942 führte ein erster Transport vom KZ Buchenwald in das KZ-Außenlager Salzgitter-Drütte. Das Lager befand sich auf dem Werksgelände der Hermann-Göring-Werke. Die ersten 50 Häftlinge setzten sich aus Sinti und Roma, Bibelforschern und Menschen, die im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ (ASR) verhaftet wurden, zusammen. „Auffällig bei diesem Transport ist der hohe Altersdurchschnitt sowie die Tatsache, dass es hauptsächlich deutsche Häftlinge waren“, sagt Zacharias. Bei späteren Transporten wählte die SS vor allem junge Häftlinge in guter körperlicher Verfassung aus, die schwere Arbeit leisten sollten.

Die Häftlinge waren in der Produktion der Hermann-Göring-Werke eingesetzt und mussten Geschoss- und Granathülsen herstellen. „Hitze, giftigen Dämpfen und Stockhieben waren sie ausgesetzt. Die Sterberate der KZ-Häftlinge war ziemlich hoch“, weiß die Gedenkstättenleiterin. Auf dem Friedhof Jammertal sind etwa 3000 Opfer des Nazi-Regimes bestattet. Dabei handelt es sich jedoch nicht ausschließlich um KZ-Häftlinge, sondern auch um Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. „Auch die weiteren Verfolgtengruppen könnten wir beim ITS gut recherchieren“, stellt Zacharias fest. „Ich habe bereits einige Archive weltweit besucht, aber beim ITS ist unsere Recherche besonders erfolgreich.“ Die Alliiertenlisten aus der unmittelbaren Nachkriegszeit über die Zwangsarbeiter sowie die Dokumente über Displaced Persons sind ebenfalls von Interesse für die Historikerinnen.