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Recherche zum Bau des U-Boot Bunkers „Valentin“

Hobbyforscher Heiko Kania hat Listen von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Neuengamme beim Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen eingesehen. „Eine Liste wurde bei Bergungsarbeiten auf dem Wrack des Schiffes ‚Thielbek‘ geborgen“, weiß Kania. „Eine andere wurde 1950 von der Wasserschutzpolizei erstellt.“ Die „Thielbek“ gehörte neben der „Athen“ und der „Cap Arcona“ zu den Schiffen, auf die Häftlinge Ende April 1945 aus dem KZ Neuengamme und den Außenlagern gebracht wurden. Am 3. Mai bombardierte die britische Luftwaffe die Schiffe ohne zu wissen, dass KZ-Häftlinge an Bord waren.

Kania recherchiert seit fast 20 Jahren zu den Namen der Zwangsarbeiter, die im Zusammenhang mit dem Bau des U-Boot Werftbunkers „Valentin“ in Bremen Farge ums Leben gekommen sind. Der Bunker wurde von der Marineoberbauleitung in Auftrag gegeben. Die Nationalsozialisten richteten ihr Interesse entsprechend der Kriegslage auf die verstärkte Produktion von U-Booten. Der in Farge erbaute Bunker mit dem Tarnnamen „Valentin“ hatte einen direkten Zugang zur Weser. Der Bunkerbau zählte als wichtigstes Neubauprojekt der deutschen Kriegsmarine. „In der Zeit von Sommer 1943 bis Frühjahr 1945 waren dort mehr als 10.000 KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und sogenannte italienische ‚Militärinternierte‘ zur Arbeit eingesetzt“, erzählt Kania. Die SS errichtete dort im Oktober 1943 ein Außenlager des KZ Neuengamme.

„Etwa 2.000 aller Arbeiter kamen in der Zeit des Bunkerbaus um“, so der Forscher. „553 Tote unter den KZ-Häftlingen konnten bisher identifiziert werden, insgesamt wurden knapp 1.200 Tote namentlich erforscht.“ Anhand der Liste versucht Kania weitere Namen zuzuordnen beziehungsweise Informationen abzugleichen. Zum Ende des Krieges wurde das Außenlager – wie auch das Hauptlager Neuengamme – in Richtung Lübecker Bucht evakuiert. Unter den geborgenen Listen befindet sich auch eine Aufstellung zu Marine-Soldaten, die den Bunkerbau beaufsichtigten. „Beim ITS war ich schwerpunktmäßig wegen der KZ-Häftlinge, aber auch alle anderen involvierten ‚Arbeiter‘ sind wichtig für meine Recherche“, berichtet der 59-Jährige.

Seine Arbeiten laufen ein in eine Ausstellung des Geschichtslehrpfads Lagerstraße/U-Boot-Bunker Valentin e.V., welchen der Forscher mit gegründet hat. Darüber hinaus ist die Namenskartei im Bremer Focke-Museum präsentiert. Sein Interesse wurde geweckt, als er als Standortoffizier der Bundeswehr in Schwanewede den Auftrag bekam, sich mit einem Gedenkstein zu befassen, der auf dem Lagergelände an Zwangsarbeiter erinnert.