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Recherche zum KZ-Außenlager Katzbach

Ihre Examensarbeit mit dem Titel „Deckname Katzbach - Zwangsarbeit und Vernichtung im KZ-Außenlager der Adlerwerke Frankfurt am Main 1944/1945“ hat Nicole Müller Mitte Juni 2012 zum Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) nach Bad Arolsen geführt. „Nachdem ich in Archiven in Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und Koblenz recherchiert habe, war ein Besuch beim ITS unumgänglich“, so die Studentin.

Die Adlerwerke produzierten während der nationalsozialistischen Verfolgung Schützenpanzer-Fahrgestelle für die Wehrmacht. Nach einem schweren Luftangriff im Frühjahr 1944 forderte der Vorstand beim Wirtschaftsverwaltungshauptamt in Berlin KZ-Häftlinge für die Arbeit an. „Am 22. August 1944 war das Lager Adlerwerke, ein Außenkommando des KZ Natzweiler, fertiggestellt und erhielt den Decknamen ‚Katzbach‘“, erzählt die 25-Jährige.

Beim ITS hat sie Transportlisten, Forderungsnachweise, Monatsberichte, Schutzhaftrapporte und Wochenberichte eingesehen. „Ich untersuche derzeit, inwiefern erst die Organisationsstruktur der beteiligten Instanzen - SS, Hauptkonzentrationslager und der Firmenleitung der Adlerwerke - die Umsetzung des nationalsozialistischen Prinzips ‚Vernichtung durch Arbeit‘ mit unerklärlich hohen Todeszahlen in einem firmeneigenen Lager ermöglichte“, berichtet Müller. „Weiterhin werden sowohl die auffällig kurzfristige Inbetriebnahme des Lagers im August 1944, als auch die lange Nicht-Beachtung durch Öffentlichkeit und Forschung untersucht.“

Insgesamt rund 1.600 Häftlinge waren im Außenlager Katzbach zur Zwangsarbeit eingesetzt. Darunter Insassen, die aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau überstellt wurden. Die Häftlinge waren im 3. und 4. Stock des Werksgebäudes untergebracht. „So konnten Kosten für die täglichen Transporte zur Arbeitsstelle gespart werden“, erläutert die Studentin. Hinweise seien in verschiedenen Beständen zu finden, so Müller. „Vermutlich liegt es daran, dass es sich bei Katzbach um ein kleines Lager handelte und der meiste Schriftwechsel über das Stammlager abgewickelt wurde.“