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Recherche zum Rassenwahn der SS

Für die geplante neue Ausstellung im Kreismuseum Wewelsburg sichtete die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dana Schlegelmilch Anfang August im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen Karteikarten des Landesamtes für Rassewesen Weimar. „Es war spannend, in den Archiven des ITS digital recherchieren zu können“, sagte Schlegelmilch.

Derzeit arbeiten sechs Mitarbeiter an der Überarbeitung und Neuorganisation der Ausstellung in der 1982 eröffneten Dokumentations- und Gedenkstätte „Wewelsburg 1933 – 1945“ im Kreis Paderborn. Heinrich Himmler hatte 1934 das Dreiecksschloss gepachtet und dieses zu einer „Reichsführerschule SS“ umbauen lassen. Seit 1936 nutzte Himmler die Burg darüber hinaus auch als repräsentativen Ort für Treffen hoher SS-Angehöriger. Im Jahr 1939 wurde für die Arbeiten an der Burg ein Außenkommando des Konzentrationslagers Sachsenhausen eingerichtet, das seit 1941 als eigenständiges KZ Niederhagen geführt wurde. Im März 1945 ließ der „Reichsführer SS“ die Wewelsburg vor der Ankunft der amerikanischen Truppen sprengen. „Mit der künftigen Ausstellung wollen wir nicht nur die lokale Geschichte der Wewelsburg dokumentieren, sondern auch die SS im Allgemeinen“, berichtet die Historikerin. „Ein Schwerpunkt liegt dabei natürlich auch auf der Rassenpolitik der SS.“

Die Ideologie der Nationalsozialisten im Bereich Rassewesen war die Förderung und Aufwertung der nordischen „Herrenrasse“ sowie die „Ausmerzung“, Sterilisation und Verfolgung der von den Nazis als „erbkrank“ und „nicht-arisch“ definierten Menschen. „Im Juli 1933 wurde kurz nach der Bekanntgabe des ‚Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses’ in Weimar ein Landesamt für Rassewesen eingerichtet, in dem SS-Männer tätig waren“, erläutert die 29-jährige Forscherin. „Das Amt organisierte Fortbildungskurse in Rassekunde und Eugenik (Erbgesundheitslehre) für Ärzte, Juristen und Lehrer. Zudem betrieb das Amt die systematische Erfassung der Thüringer Bevölkerung in erbbiologischer Hinsicht, wobei es auf die Daten der Gesundheitsämter zugreifen konnte.“ Mitarbeiter des Landesamtes erstellten Gutachten, die häufig zu Sterilisierungen von als „erbkrank“ klassifizierten Menschen führte.

„Auf der Suche nach solchen Gutachten bin ich“, erklärt die Historikerin. „Beim ITS liegen in Kopie zwar Karten von politischen Urteilen des Landesamtes für Rassewesen vor, leider jedoch nicht mit Hinweisen auf das Erbgesundheitsgericht, das über Zwangssterilisationen entschied.“ Schlegelmilch wird daher eventuell in Weimar beim Thüringischen Hauptstaatsarchiv weiter recherchieren. „Einige Dokumente, auf die ich während meiner Recherchen beim ITS gestoßen bin, sind sehr hilfreich, so zum Beispiel ein Vordruck für Rassegutachten“, sagte die Besucherin.

Die Eröffnung der neuen Ausstellung im Kreismuseum Wewelsburg ist für den 15. April 2010 geplant.