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Recherchen zu ehemaligem Polizeigefängnis Klapperfeld

Gleich zwei Themen haben Mirja Keller von der Universität Frankfurt/Main zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen geführt: die jüdische Selbsthilfe und die Schicksale der Häftlinge aus dem ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld in Frankfurt/Main während der NS-Zeit. „Dank der Digitalisierung lässt sich das Archiv des ITS gut sichten. Das bietet eine enorme Zeitersparnis“, lobte Keller.

Die Wissenschaftlerin schreibt derzeit an einer Dissertation über die jüdischen Selbsthilfe. Im Fokus steht dabei vor allem die zionistische Pionierbewegung Brith Chaluzim Datiim, die die Auswanderung nach Palästina unterstützte. „Rund 2.000 Jugendliche konnten über die Grenzen ausgeschleust und gerettet werden“, berichtet Keller. „Um an die notwendigen Papiere und Mittel zu kommen, wurden internationale Netzwerke mit religiösen Einrichtungen, dem Widerstand und Behördenvertretern aufgebaut.“ Für Ihre Doktorarbeit führte Keller Recherchen in verschiedenen israelischen Archiven durch. Zudem interviewte sie Überlebende. Im Archiv des ITS hat sie jetzt einzelne Biografien der damaligen Jugendlichen nachgezeichnet.

Kellers zweites Thema widmet sich dem ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld in Frankfurt/Main während des Nationalsozialismus. „Das Gefängnis spielte für die Gestapo eine zentrale Rolle“, weiß Keller. „Ab 1943 wurden neben den politischen Häftlingen, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, auch immer mehr Zwangsarbeiter inhaftiert.“ Zudem waren hier Ehepartner aus den so genannten „Mischehen“ mit Juden inhaftiert. Im Archiv des ITS studierte Keller die Deportationslisten von über 3.000 Häftlingen, die in Arbeitserziehungslager oder Konzentrationslager verschleppt wurden.

Die Ergebnisse sollen in die Dauerausstellung einfließen, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses in der Klapperfeldstraße 5 befindet. Der erste Teil der Ausstellung setzt seinen Schwerpunkt auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Gefängnisses und dessen Nutzung durch die Frankfurter Polizei und Gestapo zwischen 1933 und 1945. „Wir wollen möglichst die Eckdaten von den Biografien aller Häftlinge zusammentragen und sie auf einer Computerstation präsentieren“, kündigt Keller an. Ergänzt werden sollen die Biografien auch durch Zeitzeugeninterviews. „Dies ermöglicht den Besuchern der Ausstellung einen Einblick in die verschiedenen Verfolgungswege, die Möglichkeiten des Widerstandes, die Kommunikation unter den Häftlingen und die Kontaktversuche mit der Außenwelt. Zudem kommen immer wieder Angehörige, die mehr erfahren möchten und sich nach Dokumenten erkundigen.“

Etwa 30 Engagierte haben sich zu dem Projekt »Faites votre jeu!« zusammengeschlossen, das seit Ende April 2009 das ehemalige Gefängnis als selbstverwaltetes Zentrum nutzt. Neben der Ausstellung und Besucherbetreuung unterstützt die Initiative auch die pädagogische Arbeit. So wird gemeinsam mit dem Fritz-Bauer-Institut und dem ITS am 22. November 2012 eine Lehrerfortbildung zum Thema Deportationen im ehemaligen Polizeigefängnis angeboten.

Foto: klapperfeld.de
Faites votre jeu!
Klapperfeldstraße 5
60313 Frankfurt
Tel: 0163 9401683
info[at]klapperfeld.de