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Recherchen zum Schicksal der österreichischen Sinti und Roma

Professor Rudolf Sarközi und Gerhard Baumgartner vom Kulturverein österreichischer Roma haben Mitte Mai die Dokumente im Archiv des Internationalen Suchdienstes zum Schicksal der österreichischen Sinti und Roma sondiert. „Wir wollten uns einen Überblick verschaffen, welche konkreten Informationen wir hier finden können“, so die beiden Vertreter des Kulturvereins.

Der Kulturverein hat sich seit mehreren Jahren dem Großprojekt verschrieben, eine möglichst vollständige Datenbank von Opfernamen zu erstellen. „Insgesamt geht es um etwa 12.000 Sinti und Roma, von denen allein 9000 aus dem Burgenland stammten. Keine zehn Prozent haben die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt“, berichtet Sarközi, der das Dokumentations- und Informationszentrum des Kulturvereins in Wien leitet. Die ständige Ausstellung im Zentrum dokumentiert den Beginn der Wanderung der Roma nach Europa und in den heutigen österreichischen Raum, die Diskriminierung und Verfolgung der Volksgruppe mit besonderem Schwerpunkt in der NS-Zeit, bis zum Neubeginn nach 1945.

Die Verfolgung der Sinti und Roma begann unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich im März 1938. Tausende österreichische "Zigeuner" wurden als "Asoziale" und/oder als "rassisch Minderwertige" in Zwangsarbeitslager und in Konzentrationslager verschleppt - nach Dachau, Buchenwald, Mauthausen und Ravensbrück. Zur Jahreswende 1941/42 starteten die Osttransporte, einschließlich einer ersten großen Ausrottungsaktion im polnischen Ghetto Lodz. „Hier wurden etwa 5000 österreichische Sinti und Roma ermordet“, so Historiker Baumgartner. Weitere 2000 bis 3000 kamen im Konzentrationslager Auschwitz um.

Beim ITS vertieften sich die beiden Forscher in Unterlagen aus Konzentrationslagern. „Wir haben uns bislang noch unbekannte Sterbematriken aus Natzweiler und Unterlagen zum ‚Zigeunerlager Lackenbach’ gefunden“, sagte Sarközi, der selbst 1944 in Lackenbach zur Welt kam. „Für uns ist es wichtig, dass dieses Archiv jetzt der Forschung offen steht. Sicher ist das Archiv kein Rohdiamant, aber es vervollständigt unser Wissen. Wir wollten es nicht versäumen, hier gewesen zu sein.“