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Säuglingspflege im Dritten Reich

Acht Tage hat Katharina Rowold beim Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen Dokumente aus dem Bestand „Lebensborn e.V.“ durchgesehen. Die Historikerin von der London Metropolitan Universität arbeitet an einem Buch zum Thema „Säuglingspflege im Dritten Reich“. „Beim ITS finde ich zahlreiche Unterlagen für meine Arbeit“, so Rowold.

Die Forscherin interessiert sich vor allem für Unterlagen zur Versorgung der „Lebensborn-Kinder“. Der „Lebensborn e.V.“ war ein von der SS getragener Verein und hatte die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder als Ziel. „Ich schaue im Archiv die Informationen an, wie mit gesunden und kranken Babies umgegangen worden ist und was mit Kindern passierte, die in den Augen der Nationalsozialisten nicht lebenswert waren“, erzählt Rowold.

Der „Lebensborn e.V.“ ist allerdings nur ein Teil ihrer umfangreichen Recherchen. Im Bundesarchiv und in verschiedenen Landesarchiven sichtet Rowold weitere relevante Unterlagen. Dabei geht sie unterschiedlichen Fragen nach. Was wurde unternommen um die Sterberate von „arischen“ Säuglingen gering zu halten, welche Pflegeanleitungen wurden gefördert, und welche Ansätze verfolgten die Nationalsozialisten bei der „Erziehung“ von Babies und Kleinkindern? Und wie haben diese Ideen und Theorien die Säuglingspflege verschiedener Mütter beeinflusst?

Während jüdische Kinder, Kinder von Zwangsarbeitern und behinderte Kinder ermordet wurden, boten die Nationalsozialisten den Frauen und Müttern mit „arischem“ und „erbbiologisch wertvollen“Nachwuchs unterschiedliche und umfangreiche Hilfen an. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) war überwiegend im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit tätig. „Das Hilfswerk Mutter und Kind hat ‚arisch‘ geltende Schwangere und junge Mütter und deren Nachwuchs betreut“, berichtet die Forscherin. „Um die Kenntnisse von Frauen in den Bereichen Schwangerschaft, Pflege und Erziehung des Kindes zu beeinflussen, gab es im Deutschen Reich Mütterschulen für Frauen und Mütter."