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Schiffskatastrophe kurz vor Kriegsende

Am 3. Mai 1945 starben mehr als 6.000 KZ-Häftlinge durch den Beschuss der Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ in der Lübecker Bucht. Der International Tracing Service (ITS) verwahrt zahlreiche Dokumente über die Identifizierung der Toten der Schiffskatastrophe sowie Unterlagen zu den Grablagen der an die Ufer gespülten Leichname und den später erfolgten Exhumierungen.

Zwischen dem 21. und 26. April 1945 schickte die SS Tausende von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Neuengamme teils per Güterzug, teils zu Fuß auf Todesmärsche Richtung Neustadt. In der Neustädter Bucht lag die „Cap Arcona“, ein ehemaliger Luxusdampfer der Hamburg-Südamerika-Linie, der von 1940 an von der deutschen Kriegsmarine als Marinestützpunkt sowie zur Unterbringung von Soldaten genutzt worden war. Außerdem befanden sich die beiden Frachter „Athen“ und „Thielbek“ in der Bucht.

Die KZ-Häftlinge wurden auf die Schiffe verfrachtet. Sie waren unvorstellbar überfüllt, es gab weder Trinkwasser noch Lebensmittel. Am 28. April 1945 hatte die für 850 Passagiere gebaute „Cap Arcona“ rund 4.300 Häftlinge, circa 400 Wachmänner und knapp 100 Mann Schiffsbesatzung an Bord.

Am 3. Mai 1945 griffen britische Jagdbomber die drei Kilometer vor Neustadt liegende „Cap Arcona“ und die „Thielbek“ an, weil sie die Schiffe für Truppentransporter hielten – ein fataler Irrtum, den die SS provozierte, so die aktuelle Forschung.

Die „Cap Arcona“ erhielt mehrere Bombentreffer und geriet in Brand. Sie kenterte ebenso wie die mehrfach getroffene „Thielbek“. Rettungsboote für die Häftlinge gab es nicht. Viele der ausgezehrten Menschen sprangen in die kalte See, um sich eventuell noch retten zu können. SS-Männer schossen von den sich neigenden Schiffen und auch von Land aus auf die Fliehenden. Von den etwa 7.000 Menschen auf der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“ überlebten nur ungefähr 500.