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Schließung der französischen Verbindungsmission

Nathalie Letierce-Liebig, bis Ende 2012 Sekretärin der französischen Verbindungsmission.

Die französische Verbindungsmission beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen ist seit dem 1. Januar 2013 geschlossen, zeitgleich mit dem Inkrafttreten der in Berlin unterzeichneten zwischenstaatlichen Abkommen über den Internationalen Suchdienst (ITS). Diese sind inzwischen von sechs der elf im Internationalen Ausschuss vertretenen Staaten ratifiziert worden. Das Gremium des Ausschusses legt die Richtlinien für die Arbeit des ITS fest.

Für die Franzosen, die Anfragen an das Archiv des ITS stellen wollen, ändert sich durch die Schließung der Verbindungsmission im Grunde nicht viel. Ihre Anfragen werden weiter wie gewohnt bearbeitet. Sie erhalten jetzt nur eine Antwort mit dem Briefkopf des ITS und müssen sich in Einzelfällen selber an Drittstellen wenden, wenn der ITS nicht weiterhelfen kann. In einem Schreiben von Frédéric Baleine du Laurens, Archivdirektor im Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten, hieß es dazu am 4. Januar 2013:

  • Der Internationale Suchdienst legt keine Fälle im Namen der Französischen Verbindungsmission (Briefkopf der französischen Botschaft) mehr an.
  • Der Internationale Suchdienst wird das Ergebnis der in seinem Archiv für die ehemaligen Verfolgten mit französischer Staatsbürgerschaft durchgeführten Überprüfungen den in Frankreich wohnhaften Antragstellern direkt mitteilen.
  • Bei fehlenden Unterlagen oder mangelhaften Nachweisen für die angefragten Personen wird der Internationale Suchdienst den französischen Antragstellern die Anschriften weiterer deutscher oder ausländischer Stellen mitteilen, von denen die gewünschten Informationen erhalten werden könnten. Die Betroffenen müssen sich dann direkt an diese Stellen wenden.
  • Antragstellern anderer Nationalitäten, die sich für nicht-französische Personen, die während ihres Aufenthalts in Frankreich im Zweiten Weltkrieg verfolgt wurden, an den Internationalen Suchdienst wenden, wird der Internationale Suchdienst die Anschriften von zuständigen französischen Stellen bekannt geben, die möglicherweise im Besitz von nützlichen Informationen für ihre Recherchen sind.

Die von der Französischen Verbindungsmission noch in Arbeit befindlichen Anfragen werden bis zu ihrem Abschluss selbstverständlich weiter bearbeitet. Nathalie Letierce-Liebig, die als Sekretärin der Verbindungsmission in Arolsen tätig war, ist in die Abteilung Suchdienst und Schicksalsklärung des ITS gewechselt. Der Arbeitsvertrag ihrer Kollegin Mireille Lagarde lief aus.

Die französische Verbindungsmission beim ITS hatte es seit dem 1. Januar 1948 gegeben. Jahrzehntelang hatte die Mission dem Ministerium der ehemaligen Frontkämpfer unterstanden, später dem Verteidigungsministerium und seit 2005 der Archivdirektion des Außenministeriums in Paris. Alle Anfragen französischer Staatsbürger zu ehemaligen Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes waren hier aufgelaufen.

Zu den Aufgaben zählten unter anderem Auskünfte aus den Dokumenten, Nachweise zwecks Erhalt von Renten oder Entschädigungen, die Beschaffung von Geburts- oder Sterbeurkunden, die Suche nach Familienangehörigen und Schicksalsklärung, etwa die Feststellung einer Grablage, sowie Ermittlungen bei Drittstellen.