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Schweigen über die Zeit im nationalsozialistischen Lager

Der Belgier Cesar de Schuiteneer hat über die Zeit als Häftling im nationalsozialistischen Deutschland niemals sprechen wollen. „Er bekam sofort einen düsteren Gesichtsausdruck, wenn wir ihn fragten“, erzählt sein Enkel Freddy de Schuiteneer. Deshalb kam der 65-Jährige Ende Februar 2011 zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen, um Dokumente zum Schicksal seiner Familie einzusehen. „Wir Kinder und Enkel empfinden eine innere Verpflichtung, mehr herauszufinden“, so de Schuiteneer.

Sein Großvater Cesar hatte sich nach der Besetzung Belgiens durch die Deutschen dem Widerstand angeschlossen. Die Widerstandsgruppe, der auch Freddys Vater angehörte, schmuggelte Waffen und sprengte Gleisanlagen. „In der Nähe vom Heimatort unserer Familie, Onkerzeele, gab es ein Eisenbahnkreuz, über das viele Kohlen- und Stahltransporte liefen“, berichtet de Schuiteneer. Eines Tages wurde die Gruppe jedoch verraten und verhaftet.

Während der Vater vom Transportzug nach Deutschland fliehen konnte, durchlitt der Großvater anderthalb Jahre Haft. Auffanglager Breendonk, Zuchthaus Groß Strehlitz, Zuchthaus Kaisheim und schließlich das Konzentrationslager Dachau lautete sein Verfolgungsweg. Er überlebte und wurde am 29. April 1945 von der US Armee befreit. „Als Bergarbeiter konnte er danach nicht mehr arbeiten“, erzählt sein Enkel. „Er fühlte sich zu schwach und ging zunächst nach Frankreich auf einen Bauernhof.“

Nach seiner Rückkehr in den Heimatort verdingte sich Cäsar als Steinmetz. „Die Angst hat ihn jedoch nicht mehr verlassen. Er trug ständig zwei Pistolen bei sich. 1947 bekam er deshalb sogar Ärger mit der Polizei“, berichtet sein Enkel. An den verschiedenen Orten der Haft und in mehreren Archiven trägt die Familie nun alle Dokumente und Informationen zusammen, die an den Großvater und den Widerstand erinnern. Sie sollen das Schweigen brechen, das die Kinder und Enkel stets begleitet hatte.