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Seminar für ITS Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Yad Vashems International School for Holocaust Studies

Die Geschichte des Holocaust und Formen der Erinnerung standen im Mittelpunkt eines Weiterbildungsseminars, das 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des International Tracing Service (ITS) Anfang Dezember nach Jerusalem führte. Das fünftägige Seminar in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und der Besuch der historischen Altstadt werden den Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben. „Es fällt schwer, die Flut an Informationen, Eindrücken und Emotionen zu verarbeiten,“ erzählt eine ITS-Sachbearbeiterin, die beim ITS in einem der Teams, die jährlich Tausende von Anfragen aus aller Welt nach dem Schicksal von NS-Verfolgten beantworten.

Holocaust-Erinnerung und jüdische Identitäten heute

Neben Fachvorträgen über jüdisches Leben vor dem Zweiten Weltkrieg und über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden standen auch Workshops zur Vielfalt jüdischer Identitäten in der israelischen Gesellschaft und Führungen über den großflächigen Campus von Yad Vashem auf dem Programm. Der Besuch der Ausstellung und der verschiedenen Denkmäler war für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ITS, die sich tagtäglich mit persönlichen Schicksalen der Verfolgung beschäftigen, besonders bewegend. Sie erlebten eine andere Form des Erinnerns als in Deutschland. Während die Erinnerung hier oft von den Orten der Verbrechen ausgeht, stehen in Yad Vashem die einzelnen Menschen und ihr Leben vor und während, aber auch das Weiterleben nach und mit der Verfolgung im Mittelpunkt. „Es werden Geschichten über Menschen erzählt, die in Erinnerung bleiben.“, berichtet Verena Neusüs, Mitarbeiterin der Stabsstelle Kommunikation beim ITS. „Es ist beeindruckend, wie es in Yad Vashem gelingt, den Menschen ihre Würde wiederzugeben. Das waren für uns alle sehr emotionale Eindrücke.“

Im Gespräch mit dem Überlebenden Tswi Hershel und seiner Tochter

Ebenso beeindruckend war das Treffen mit dem Holocaust-Überlebenden Tswi Hershel und seiner Tochter. Hier konnten die ITS Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Zeitzeugen und seine persönliche Geschichte kennenlernen und an ihn und seine Tochter zugleich viele der Fragen stellen, mit denen sie durch ihre eigene Arbeit konfrontiert werden. Denn Gespräche mit ehemals Verfolgten und ihren Familien, die auf der Spurensuche nach Bad Arolsen kommen, fallen emotional oft nicht leicht. Neu war dabei für viele der Mitreisenden, wie stark der Holocaust bis heute das familiäre Leben in der zweiten und dritten Generation prägt.

Für Mitarbeiterin Nathalie Letierce-Liebig trat nach der Rückkehr aus Israel erneut besonders deutlich zu Tage, wie wichtig die Erinnerung auch für die Gegenwart ist: „Als ich in den Nachrichten von den antisemitischen Gewaltausbrüchen in Frankreich hörte, ist mir erneut bewusst geworden, dass viele Menschen nicht aus der Geschichte lernen und dass die Erinnerung an die Shoah wichtiger denn je ist.“