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Seminar zu Ein- und Ausstiege in menschenfeindliche Weltbilder

In Zusammenarbeit mit dem Modellprojekt Rote Linie und IKARus hat der International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen Mitte März eine zweitägige Fortbildung zum Thema „Sprache - Weltbild - Raum – Einstiege und Ausstiege in menschenfeindliche Weltbilder“ angeboten. Ziel der Fortbildung mit insgesamt 16 Teilnehmern war sowohl der Rückblick in die Sprache des Nationalsozialismus als auch die Sensibilisierung für die Sprache jener Menschen, die Vorurteile äußern oder die rote Linie zum Rechtsextremismus bereits überschritten haben.  „In der Prävention kann die Analyse von sprachlichen Bildern dazu führen, dass Vorurteile aufgedeckt und thematisiert werden oder dass sie gar nicht erst entstehen“, erklärte Dr. Reiner Becker, Leiter des Projekts Rote Linie.

Die menschenverachtende Sprache der Nationalsozialisten wird heute zwar zurück gewiesen, doch finden sich Spuren weiter in der Alltagssprache. Zudem werden Vorurteile durch subtile Sprachbilder ersetzt, die nicht offenkundig menschenfeindlich wirken. Und die rechtsextremistische Szene grenzt bewusst durch Sprache aus, um ein Gegenpol zu setzen. „So manche alte Bilder spiegeln sich als ideologische Blase bis in die Gegenwart wider“, sagte Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung und Bildung beim ITS. „Sprache und Muster wiederholen sich, auch wenn sich die Sprache modernisiert.“

Zielgruppe des Seminars waren Pädagogen, Sozialarbeiter, Polizisten sowie Mitarbeiter der Jugendhilfe und von Beratungsnetzwerken. Zunächst fand eine Selbstreflexion von Sprache und Menschenbildern statt, um für deren Zusammenhang und Wirkungen zu sensibilisieren. So kann die Arbeit in der Prävention, der Intervention oder dem begleitenden Ausstieg gezielter und praxisorientierter konzipiert werden. Daneben ging es um gesellschaftliche und geografische Räume, in denen sich in Vergangenheit und Gegenwart Opfer wie Täter bewegen sowie die demokratische Verankerung angesichts von Biografien zwischen Anerkennung und Ablehnung. „Wir urteilen leicht. Doch es stellt sich immer die Frage, was einen Menschen in eine bestimmte Position bringt. Da wird es oft komplizierter“, so Peter Korstian von IKARus.

Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von den Inhalten des Seminars, das den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffte. Sie äußerten zugleich den Wunsch, einzelne Themen stärker vertiefen zu können. „Jenen, die im Rechtsextremismus und im Sog anderer menschenfeindlicher Strömungen agieren, soll die Rückkehr in den demokratischen Raum ermöglicht werden. Dies bedeutet auch, Sprache zu reflektieren und sich von bestimmten Menschenbildern zu verabschieden“, äußerte Becker. „Wir werden diese Seminarreihe auf jeden Fall fortsetzen.“

Über das Modellprojekt Rote Linie

Das Modellprojekt "Rote Linie - Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg" bietet Beratung, Fortbildung und Informationen für Eltern und Bezugspersonen rechtsextrem orientierter Jugendlicher an. Die Verbindung von Elternberatung, Ausstiegshilfen aus der rechtsextremen Szene und pädagogischer Arbeit mit Jugendlichen ermöglicht einen vollständigeren Blick und koordinierte Interventionsmöglichkeiten, um den schleichenden Prozess des Einstiegs in den Rechtsextremismus unterbinden zu können.

Über IKARus

Die Geschäftsstelle des Projekts IKARus – Informations- und Kompetenzzentrum-Ausstiegshilfen Rechtsextremismus – ist erste Kontaktadresse, Ansprechpartner, Berater, Betreuer und konkreter Helfer in Hessen, um den Absprung und somit den Ausstieg aus dem Rechtsextremismus zu schaffen. Die Arbeit mit jungen Menschen, die aus der rechten Szene aussteigen wollen, ist vielfältig und berührt verschiedene Problemlagen. Daher arbeiten hier speziell qualifizierte Polizeibeamte und Verwaltungsfachkräfte in Kooperation mit Fachkräften aus der Sozialarbeit.