a A

„Sie verlor nie ihren Glauben.“

Jan van Ommen hat einen Tag beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen Unterlagen zu fast 200 niederländischen Frauen eingesehen. Diese wurden, als die alliierten Truppen im September 1944 näher rückten, vom KZ Herzogenbusch (Vught) zum KZ Ravensbrück deportiert. „Unter diesen Frauen war auch meine Mutter Rinsje“, so der Niederländer.

Van Ommens Mutter war während des Krieges in einer niederländischen Widerstands- und Hilfsorganisation, der sogenannten „LO en LKP = Landelijke Organisatie en Landelijke Knokploeg – Nationale Organisation und Kampfeinheit“. Die Mitglieder kamen überwiegend aus kirchlichen Gruppierungen und fälschten oder stahlen Lebensmittelmarken, die sie dann an untergetauchte Menschen in Holland verteilten. „Im April 1944 wurde erst mein Vater verhaftet, der jedoch nicht wie meine Mutter im Widerstand aktiv war“, berichtet van Ommen, der damals gerade sieben Jahre alt war. „Meine Mutter stellte sich etwa drei Wochen später freiwillig dem Sicherheitsdienst. Sie ging davon aus, dass mein Vater die Haft nicht übersteht. Er kam tatsächlich frei.“

Rinsje van Ommen wurde im Mai 1944 in das Konzentrationslager Herzogenbusch (Vught) eingeliefert. Als die Alliierten näher rückten, kam sie mit einem Transport im September 1944 nach Ravensbrück. Von dort aus wurden die Niederländerinnen am 13. November 1944 zum KZ Dachau/Kommando München-Giesing überstellt. Hier waren sie zur Zwangsarbeit in den AGFA-Werken eingesetzt. „Während der Inhaftierung verlor meine Mutter nie den Glauben an Gott. Der Kampf um den Erhalt ihrer im KZ verbotenen Bibel ist wesentlicher Teil ihrer KZ-Geschichte“, erzählt der 73-Jährige. Auf einem Todesmarsch von Dachau Richtung Österreich wurden die Frauen in Wolfratshausen schließlich von amerikanischen Truppen befreit.

„Mich bewegt die Frage, was für Frauen mit meiner Mutter zusammen inhaftiert waren, woher sie kamen und wer sie waren“, so van Ommen. Betroffen war der Niederländer, dass auf den Häftlingspersonalkarten von Ravensbrück auch die Körpermerkmale vermerkt waren. „Diese Art der Anwendung einer ‚Verbrecherkartei’ war offensichtlich Teil des KZ-Systems“, stellt van Ommen fest. Durch die Dokumentation beim ITS konnte er einige Erzählungen der Mutter mit Daten belegen.