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Sohn des ehemaligen ITS-Direktors Hugh Elbot erinnert sich

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat diesen Freitag einen besonderen Gast begrüßen können. Der Sohn des einstigen Direktors Hugh Elbot kam mit seiner Ehefrau Barbara eigens aus dem US-amerikanischen Denver angereist, um die Spuren seiner Kindheit wieder zu entdecken. Gerade einmal vier Jahre alt war Charles Elbot, als sein Vater 1951 für vier Jahre die Leitung des Suchdienstes übernahm. „Ich erinnere mich nicht mehr an viele Begebenheiten“, sagte Elbot. „Allerdings weiß ich noch, dass mein Vater immer lange arbeitete und erst spät nach Hause kam.“

Am lebhaftesten blieb dem jungen Elbot die Eröffnungsfeier für den ITS-Neubau im Jahr 1952 im Gedächtnis haften. „Damals gab es eine gigantische Torte im Design des Gebäudes. Ich bekam ein großes Stück aus dem Seitenflügel ab“, erzählt der US-Amerikaner. Sein Vater hatte sich für den Neubau und den Standort Arolsen eingesetzt, nachdem die Verwaltung des Suchdienstes von der International Refugee Organisation (IRO) im April 1951 an die HICOG (Allied High Commission for Germany/Alliierte Hochkommission für Deutschland) übergegangen war.

„Am stressigsten war für meinen Vater dann aber die Diskussion um die Zukunft der Einrichtung in den Jahren 1954/55“, erinnert sich Elbot. Es habe heftige Debatten darüber gegeben, ob der Suchdienst von Deutschland übernommen oder unter internationaler Kontrolle bleiben sollte. „Mein Vater sah eine internationale Lösung als die beste an. Ihm lag der Erhalt der Dokumente für die künftigen Generationen sehr am Herzen. Über die Öffnung des Archivs vor anderthalb Jahren hätte er sich gefreut.“

Nach seiner Zeit beim Suchdienst arbeitete Hugh Elbot einige Jahre für die US-Regierung in Washington, bevor ihn eine Stelle bei Radio Free Europe 1958 zurück nach Deutschland führte. Er verliebte sich in die bayerische Metropole München und blieb hier bis zu seinem Tod im Jahr 1989. „Mein Vater lernte gerne Sprachen, war interessiert an Geschichte und kam schnell in Kontakt mit den Menschen“, berichtet sein Sohn.

Dieser ging zurück in die USA, studierte dort, wurde Lehrer und später Schulleiter. Heute berät er öffentliche Schulen in Denver, wie sie ihre Lehrprogramme optimieren können. Als langjähriger Pädagoge sieht er ein großes Potenzial in der Dokumentation des ITS. „Das Archiv ist ein wichtiger Bewahrer der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus“, meint Elbot. „Im Bereich der Bildung kann der ITS wertvolle Arbeit leisten. Wenn die Zeitzeugen nicht mehr am Leben sind, müssen die Dokumente ihre Geschichten weiter erzählen.“

Nach dem Besuch des ITS besichtigten die beiden Eheleute gemeinsam mit Bernd Zimmer noch das geplante Museum in der ehemaligen Kaserne. Der Historiker verabredete für seinen Ausstellungsraum über den ITS den Austausch von Fotos aus der damaligen Zeit. Anschließend fuhren die US-Amerikaner nach Bad Wildungen in die Brunnenallee, in der damals das Wohnhaus der Elbots stand. Auch nach seinem alten Kindergarten und der Schule wollte sich der heute 62-Jährige umsehen. „Es waren wundervolle Jahre, die wir dort verlebt haben“, so Elbot.