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"SS-Erziehung" blieb wirkungslos

Ende Mai besuchte Karl Sondenaa aus Norwegen für einen Tag den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen, um die Originalunterlagen zur Inhaftierung seines Vaters im Konzentrationslager Buchenwald einzusehen. „Es ist unglaublich, welche Details die Nazis registriert haben“, sagte der Norweger.

Sondenaa hatte von seiner Mutter einige Bruchteile aus dem Leben seines Vaters erfahren. Dieser war 1948 vermutlich an den Folgen der Lagerhaft verstorben, als sein Sohn gerade zwei Jahre alt war. „Deshalb bin ich hierher gekommen, um mehr zu erfahren“, so Sondenaa. Laut Unterlagen war der Student Karstein Magnus Sondenaa, der am 3. November 1918 in Stavanger/Norwegen geboren wurde, am 30. November 1943 durch den Befehlshaber der Sicherheitspolizei Oslo verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert worden.

An diesem Tag wurden etwa 1250 Studenten der Universität Oslo inhaftiert, nachdem sie mehrfach gegen die Nazifizierung der Universität protestiert hatten. 348 Studenten verschleppten die Nationalsozialisten im Januar 1944 als politische Häftlinge nach Buchenwald. Sie wurden von den anderen Häftlingen isoliert, um sie einer „SS-Erziehung“ zu unterziehen. „Ein erfolgloser Versuch“, weiß Sondenaa.

Am 8. Juni 1944 wurde sein Vater nach Mühlhausen gebracht und kam am 8. Juli 1944 als kranker Mann zurück nach Norwegen. Er beendete noch sein Studium und bekam mit seiner Frau den einzigen Sohn Karl. „Leider können den Unterlagen keine weiteren Informationen zur Krankheit meines Vaters entnommen werden“, berichtete der Norweger. „Aber es ist beeindruckend, die Häftlingspersonalkarte, Effektenkarte, Schreibstubenkarte und all die Listen über meinen Vater zu sehen.“