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Stiftung deutsch-polnische Aussöhnung an Datenaustausch interessiert

Drei Vertreter der Stiftung deutsch-polnische Aussöhnung hat der Internationale Suchdienst (ITS) Mitte Januar empfangen können. Vorstandsvorsitzender Dariusz Pawlos sowie seine beiden Kollegen Jakub Deka und Jerzy Wozniak informierten sich über den Stand der Digitalisierung und die Recherchemöglichkeiten. Mit ITS-Direktor Jean-Luc Blondel führten sie Gespräche über eine mögliche Kooperation. „Die Datenbank des Suchdienstes wäre für uns die beste Quelle, die wir uns vorstellen können“, sagte Pawlos. „Sie wäre eine große Bereicherung für unser Projekt.

Die Stiftung arbeitet an einer Internet-Datenbank, die alle polnischen Opfer und Verfolgte unter der deutschen Besatzung umfassen soll. Polen erlitt durch den Zweiten Weltkrieg und die Besatzung die größten demografischen Verluste unter allen alliierten Nationen. Bis heute bleiben Angaben über die Verluste und das Ausmaß der Repressionen immer noch eine Schätzung. Fast jede Familie hatte Opfer zu beklagen. „Unsere Datenbank führt inzwischen drei Millionen Schicksale auf“, berichtet Pawlos. „Die Zahl der Opfer lag jedoch wesentlich höher. Es gibt also noch viel zu forschen. So sind nur etwa 45 Prozent der Opfer des Holocaust in Polen namentlich bekannt, in Westeuropa dagegen nahezu 95 Prozent.“

Zielsetzungen des 2006 gestarteten Projektes sind das Gedenken, aber auch die Nutzung für Forschungszwecke. Finanziert wird es vom Institut für Nationales Gedenken (IPN) und dem polnischen Kultusministerium. Die Datenbank enthält persönliche Informationen  zu den Opfern und grundsätzliche Angaben über die erlittenen Repressionen. Zugleich wird auf die Dokumentenquelle und das Archiv verwiesen, in dem die Informationen gefunden wurden. „Wir möchten so viele Namen wie möglich zusammentragen und klopfen daher an die Tür jeder Einrichtung, mit der wir Informationen austauschen können“, erzählt Deka.

Archive, Museen und Gedenkstätten in Polen arbeiten bereits an dem Projekt mit. Von den 30 festen Mitarbeitern der Stiftung befassen sich sieben ausschließlich mit der Datenbank. „Jetzt reden wir auch mit Institutionen im Ausland, vor allem in Deutschland, Österreich und Israel“, so Deka. „Wir wollen unser Netzwerk stetig erweitern.“ Für das Archiv des ITS brachten die drei Polen die digitale Kopie eines Albums mit, das Häftlinge des KZ Sachsenhausen einst für ihren Kapo erstellt hatten. Es enthält unter anderem Namen, vorherige Wohnadressen sowie Häftlingsnummern und war der Stiftung von dem Überlebenden Adam Gajewski überlassen worden.