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Studenten der Universität Gießen forschen zu Displaced Persons

Zwei Studentengruppen der Justus-Liebig-Universität Gießen haben die Forschungsmöglichkeiten im Bestand des Internationalen Suchdienstes (ITS) zu Displaced Persons genauer untersucht. Ihr jeweils eintägiger Besuch des Archivs fand im Rahmen des Seminars „Opferbiografien des Zweiten Weltkriegs und Kalter Krieg“ statt.

„Es ging mir vor allem darum, dass Archiv den 40 Studenten zunächst einmal vorzustellen und für ihre Recherchen nahe zu bringen“, sagte Seminarleiter Professor Hans-Jürgen Bömelburg. Der ITS sei eine interessante Quelle gerade auch für die Gießener Universität, da es hier einen Schwerpunkt Osteuropäische Geschichte gebe. „Beim ITS ist umfangreiches Material vorhanden zu osteuropäischen Displaced Persons (DPs) und zu polnischen und russischen Zwangsarbeitern.“ Dazu zählen Listen und Einzeldokumente von ehemaligen Zwangsarbeitern, circa 3,5 Millionen Registrierungskarten von DPs, insgesamt 350.000 Umschläge mit Fragebögen aus DP-Lagern in Deutschland, Österreich, Italien und England sowie Schiffs- und Emigrationslisten.

Der Bestand benötige ein bestimmtes Vorwissen wegen der besonderen Entstehungsgeschichte des Internationalen Suchdienstes, erläuterte Bömelburg. Zudem sei der Zugang zu den Dokumenten noch schwierig, weil er bisher fast ausschließlich nur über Namen möglich ist. „Aber der ITS bietet eine gute Ergänzung zu anderen Quellen.“ Bömelburg hofft daher, dass einzelne Studenten eine Qualifikationsarbeit, wie das Staatsexamen oder eine Magisterarbeit, mit Hilfe der ITS-Dokumente erstellen werden.

„Gerade die Geschichte der DPs erfordert eine internationale Expertise“, sagte der Historiker. „Die Lager waren weit verstreut, die Dokumente sind in verschiedenen Sprachen verfasst und die Informationen müssen an verschiedenen Orten recherchiert werden. Ein schwieriges Forschungsgebiet.“ Für die Zukunft könne er sich gemeinsame Forschungsprojekte mit dem ITS gut vorstellen, so Bömelburg, etwa zur Geschichte der Juden von Lodz, dem Schicksal der Zwangsarbeiter in Zusammenhang mit den Filtrationslagern in der ehemaligen Sowjetunion oder der regionalen hessischen Geschichte von DP-Lagern. „Hier bieten sich eine Reihe von Fragestellungen an.“