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Studie zu den Konzentrationslagern der Vorkriegszeit

Für das Forschungsprojekt „Vorkriegskonzentrationslager von 1933 bis 1939“ an der Birbeck University of London recherchierte Christian Goeschel Mitte Februar eine Woche beim Internationalen Suchdienst. „Ich bin begeistert von den Unterlagen, die ich hier finden kann“, sagte der Historiker.

Das Gesamtbild der Konzentrationslager vor dem Krieg sei noch nicht vollständig betrachtet worden, erläuterte Goeschel. „Darum arbeite ich mit meinem Kollegen Nik Wachsmann in England an diesem Forschungsprojekt.“ Im Juli 2008 organisierten die beiden Historiker zu dem Thema bereits eine internationale Konferenz an der Universität in London. Eine Veröffentlichung ist in Planung.

Unter verschiedenen Fragestellungen sah der gebürtige Frankfurter dafür jetzt die Unterlagen beim ITS durch. „Die Ursprünge der Konzentrationslager und die Zusammenarbeit der Justiz mit der SS spielen eine große Rolle, aber auch die Perspektive der Häftlinge“, berichtete Goeschel. In die Dokumente aus Konzentrationslagern, wie Kommandanturbefehle und Häftlingspersonalakten, sowie die Sachdokumente zur Logistik der Lager nahm der Historiker Einblick. Vereinzelt prüfte er auch die Schicksale von Opfern. „Der Vorteil des ITS-Archivs liegt in dem gesammelten Überblick. Hier kann ich im Gegensatz zu den Gedenkstätten gleichzeitig die Entwicklung mehrerer Lager nachvollziehen.“

Die frühen Konzentrationslager seien ein wichtiges Instrument des Terrors, um die Bevölkerung einzuschüchtern, so der Historiker. Zunächst inhaftierten die Nationalsozialisten vor allem politische Gegner und Berufsverbrecher in den Konzentrationslagern, später waren alle von ihnen ausgegrenzten Minderheiten betroffen. Bis zu 70 Haftstätten untersucht Goeschel in diesem Zusammenhang. „Dazu zählen auch Folterlager und umgerüstete Fabrikhallen. Die frühen Haftstätten waren wesentlich kleiner als die Konzentrationslager während der Kriegsjahre.“

Dem Thema Nationalsozialismus widmet sich der 30-Jährige, der 2006 an der University of Cambridge promovierte, bereits seit mehreren Jahren. Zuletzt veröffentlichte er ein Buch zu Selbstmorden unter der nationalsozialistischen Herrschaft „Suicide in Nazi Germany“. Für seine Studien will er das Archiv des ITS in Zukunft verstärkt nutzen. „Es ist eine Bereicherung für die Forschung“, so Goeschel.