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Studie zu Todesmärschen von Auschwitz

Der US-amerikanische Historiker Marc Masurovsky hat Anfang Februar für zwei Tage die Bestände zu Todesmärschen im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) untersucht. „Es ging mir um einen ersten Überblick, welcher Art die Dokumente sind und wie wertvoll sie für meine Forschungsarbeiten sein könnten“, sagte Masurovsky.

Seit etwa zwei Jahren ist Masurovsky als Forscher am US Holocaust Memorial Museum (USHMM) mit einer Fallstudie über die Todesmärsche vom Konzentrationslager Auschwitz beschäftigt. Sie wird in Zusammenarbeit von Historikern und Geografen von der Texas State University in San Marcos und des Middlebury College in Vermont erstellt und finanziert von der National Science Foundation (NSF). „Eine besondere Herausforderung, gerade für uns Historiker“, so Masurovsky. „Die Geografen tendieren zu einer großen Präzision und Genauigkeit. Doch die Kenntnis der Landschaft hilft, die Geschehnisse nachzuvollziehen.“

Dafür gibt Masurovsky zwei Beispiele an: So seien etwa die Fluchtmöglichkeiten in einer kahlen Winterlandschaft deutlich eingeschränkt gewesen, so sei das Tempo eines Marsches erheblich durch Anstiege beeinflusst worden. „Die Todesmärsche wurden in der Erinnerung der KZ-Häftlinge als bedrohlicher beschrieben als das Lagerleben. Das Überleben hing davon ab, möglichst in der Gruppe zu bleiben und sich gegenseitig zu stützen“, erzählte Masurovsky. „Dennoch verloren viele die letzte Hoffnung.“

Die Dokumentenlage zu den Todesmärschen ist eher bescheiden. Von deutscher Seite aus gibt es kaum verwertbare Unterlagen, da die Nationalsozialisten in den Tagen der Auflösung keine umfassenden Aufzeichnungen mehr führten. Die Hauptquelle für die Forscher sind Zeugenberichte. „Wir versuchen, möglichst umfassend die Todesmärsche zu rekonstruieren, Tag für Tag, manchmal Stunde für Stunde und Opfer für Opfer“, erläuterte Masurovsky. „Wir wollen die Perspektive der Betroffenen und die furchtbaren Erfahrungen verstehen.“ Dafür hat der Historiker auch ausführlich vor Ort in Polen recherchiert.

Die Alliierten haben nach dem Krieg erste Ansätze unternommen, die Todesmärsche zu untersuchen. Dazu liegt im Archiv des ITS eine bestimmte Auswahl an Dokumenten vor. „Zu Auschwitz gab es jedoch nur wenig Erkenntnisse“, berichtete Masurovsky. „Die Alliierten konnten die Todesmärsche in Schlesien nicht genauer untersuchen, da ihnen der Zugang zu Dokumenten fehlte.“ Der US-Amerikaner will für spätere Recherchen das Archiv des ITS erneut nutzen, auch wenn er in diesem speziellen Fall nicht viel zusammentragen konnte. „Ich halte das Archiv für eine Goldmine“, so der Historiker.