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Studie zur Auswanderung polnischer DPs nach Argentinien

Claudia Stefanetti Kozrowicz von der Universität Buenos Aires hat einige Tage im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) zu polnischen Displaced Persons (DPs) geforscht, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien ausgewandert sind. „Wir wissen um die beiden Gruppen der ehemaligen Nazis und der jüdischen Flüchtlinge. Andere Emigranten aus dieser Zeit spielen dagegen kaum eine Rolle in unserem Geschichtsbewusstsein“, erklärt Kozrowicz.

Etwa 6.000 polnische DPs seien Ende der 1940er Jahre über Italien oder England nach Argentinien ausgewandert, berichtet die Politikwissenschaftlerin. Es habe sich überwiegend um Polen gehandelt, die in der Armee von General Władysław Anders an der Seite der Alliierten gegen die Deutschen gekämpft hatten. Das 2. polnische Korps unterstand der polnischen Exilregierung, war zum Ende des Krieges in Italien im Einsatz und umfasste zeitweise mehr als 75.000 Soldaten. Nach Kriegsende blieben Teile des Korps, das 1946 demobilisiert wurde, in Italien.

In der Regel zogen die Soldaten das Exil in einem westlichen Land der Rückkehr in ein kommunistisches Polen vor. „Die USA und Kanada nahmen jedoch nur begrenzt DPs auf. Daher fälschten einige ihre Berufsangaben oder heirateten italienische Frauen, um leichter an Ausreisepapiere für Argentinien zu kommen“, so Kozrowicz. „Andere versuchten es auf dem Wege der Familienzusammenführung mit Verwandten, die bereits mit einer Ausreisewelle in den 1930er Jahren nach Argentinien gegangen waren.“

Die Kenntnisse über das Leben der DPs, ihre Auswanderung und ihren Neuanfang will Kozrowicz mit ihrer Recherche beim ITS jetzt vertiefen, vor allem durch das Studium der Akten der Flüchtlingsorganisationen UNRRA und IRO (International Refugee Organisation). „Die polnischen Einwanderer selbst haben zwar über den Krieg gesprochen, aber niemals über ihre Lage als DPs in der Nachkriegszeit oder ihren Neubeginn in Argentinien.“

Die meisten hätten Arbeit in der Elektroindustrie und der Rüstungsproduktion für die Luftwaffe gefunden. „Sie waren eine geschlossene Gesellschaft. Die ersten Jahre waren hart für sie, aber es gab eine große Solidarität untereinander“, erzählt die Argentinierin. „In ihrer Vorstellung ging es um ein zeitweises Exil bis zum Sturz des Kommunismus in Polen.“ Berührungspunkte mit den ebenfalls eingewanderten Nazis, den vorherigen Gegnern, oder dem Regime von Juan Perón habe es wenig gegeben. „Der gemeinsame Nenner war aber wohl der Antikommunismus.“

Ihre Enkel fühlten sich heute als Argentinier, die Kinder der Emigranten hätten aber noch das Bild und die Traditionen des Vorkriegspolen gelebt, so Kozrowicz. Die Wissenschaftlerin, die selbst italienische, polnische, deutsche und litauische Vorfahren aus der Emigration zwischen 1870 und 1929 hat, will zu dem Thema der polnischen DPs promovieren und anschließend über eine Buchveröffentlichung nachdenken.