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Studientag zur pädagogischen Arbeit

Recherche der Seminateilnehmer in der Datenbank des ITS.

Eine Fortbildung für Pädagogen und Synodalbeauftragte des Christlich-Jüdischen Gesprächs der Evangelischen Kirche im Rheinland hat am 3. Juni 2013 beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen stattgefunden. Thema der Veranstaltung waren „Deportationen: Deportierte, Akteure, Täter“. Als Ziel stand die Entwicklung von Ideen für die pädagogische Arbeit im Raum. „Es ist wunderbar, wenn wir gemeinsam mit den Lehrern den sinnvollen Einsatz der Dokumente aus dem Archiv des ITS im Unterricht besprechen können“, sagte Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung und Bildung beim ITS.

Neben einer Einführung in die Geschichte und Aufgaben der Einrichtung wurden im Rahmen des eintägigen Seminars das pädagogische Konzept des ITS sowie Unterrichtsmaterialien vorgestellt. Die Teilnehmer hatten zudem Gelegenheit, in der digitalen Datenbank eigene Recherchen vorzunehmen. „Die Masse an Dokumenten ist erschlagend“, äußerte Jörg Schürmann aus Recklinghausen. „Aber mit der Datenbank kam ich gut zurecht. Es ist beachtlich, dass sich so arbeiten lässt, wenn ich auch den Duft der Archivalie und die Haptik ein wenig vermisse.“

Vor allem die Menschenbilder, die die Dokumente transportieren, faszinierten die Pädagogen. „Die Sprache ist teilweise schon erschreckend“, so Schürmann. „Wenn etwa der Mensch als reines ‚Nutzobjekt‘ betrachtet wird.“ Auch die offene Frage der eigenen nationalen Identität bei vielen Displaced Persons (DPs) fiel auf. „Daraus lassen sich interessante Diskussionen zum Thema Einwanderung entwickeln“, sagte Siegfried Virgils aus Bonn. „Wir könnten die von außen bestimmte Definition der Nationalität einfach umdrehen und sagen ‚Jeder hat das Recht, für sich selbst festzulegen, wer er ist.‘“

Entscheidend für Schülerprojekte beim ITS seien eine gute Vor- und Nachbereitung im Unterricht, waren sich die Seminarteilnehmer einig. „Wir müssen die Themen aufgreifen und einen Austausch ermöglichen. Wir können die Schüler mit diesen Dokumenten nicht allein lassen“, meinte Schürmann. Ein vorheriger Besuch des ITS durch die Lehrer sei in jedem Fall empfehlenswert.

Stefan Hößl von der Universität Köln kann sich ein studentisches Projekt vorstellen, das die Zukunftsperspektiven der DPs näher beleuchtet: „Wie gelang es jenen, die die Shoah überlebten - nach all den erfahrenen Traumatisierungen und Verlusten - wieder Zukunftsperspektiven zu entwickeln? Welche Rolle spielten dabei Lernen und Bildung in den DP-Camps? Welche Bedeutung hatte in diesem Zusammenhang die Idee und das Projekt des Zionismus und die Hoffnung auf einen jüdischen Staat?“ Zu diesen Fragestellungen sei erst wenig Literatur vorhanden.

Organisiert wurde das Seminar in Zusammenarbeit mit dem Kinderlehrhaus zur Förderung des interreligiösen und interkulturellen Lernens e.V., dem Intersynodalem Arbeitskreis Christen und Juden (ISAK-Mitte) und der Pädagogischen Akademie der Gemeinschaft Evangelischer Erzieher (GEE). „Es ist immer wieder eindrucksvoll, wie viele Anregungen ich hier bekomme“, sagte Gerda Koch, Projektleiterin bei der GEE. „Wir wollen die Zusammenarbeit fortsetzen und als nächstes mit einer Gruppe Geschichtslehrer kommen.“